💬: Tizianas Rosen beginnt mit einer interessanten Prämisse: Eine junge Frau mit sizilianischen Wurzeln, ein toter Anwalt, ein Geständnis – und ein Rosenstrauss im Hals des Opfers. Was wie ein Krimi klingt, ist in Wahrheit eine eher ungewöhnlich erzählte Geschichte über Abhängigkeit, Machtmissbrauch und Selbsttäuschung.
Die Erzählweise ist eigenwillig. Punkt. Punkt. Punkt. Was als stilistisches Mittel gedacht ist, wirkte auf mich oft eher irritierend als wirkungsvoll. Der Lesefluss wurde dadurch spürbar gebremst – und obwohl das Buch recht kurz ist, habe ich lange gebraucht, es zu beenden.
Tiziana als Figur bleibt für mich leider schwer greifbar. Mal kühl und überlegen, mal verletzlich und naiv – ihre Motive und Gefühle bleiben oft im Nebel. Auch das Geständnis zu Beginn, das als Einstieg eigentlich spannend gedacht ist, verliert durch die rückblickende Erzählung an Wucht. Immer wieder fragte ich mich: Was ist real, was ist Maske – und interessiert es mich noch genug, das herauszufinden?
Die Geschichte hat ohne Frage Potenzial, gerade im Zusammenspiel aus Familiengeschichte, psychologischer Spannung und toxischer Beziehung. Doch vieles bleibt oberflächlich angerissen. Einzelne interessante Ansätze – etwa Tizianas Herkunft oder das Machtgefälle in der Kanzlei – werden nur halbherzig verfolgt.
🌹 Fazit:
Ein Roman, der viel andeutet, aber wenig einlöst. Sprachlich speziell, inhaltlich streckenweise verwirrend und schwer greifbar. Wer eine literarisch raffinierte Kriminalgeschichte oder ein tiefes Charakterdrama erwartet, wird hier wohl enttäuscht.
Von mir gibt’s knappe ⭐⭐ Sterne – für Idee, Ansätze und ein paar atmosphärisch gelungene Momente.