Die israelische Traumata-Psychologin Ayelet Gundar-Goshen legt mit ihrem Roman «Ungebetene Gäste» erneut eine fesselnde Geschichte auf.
Wie oft ist eine unvorsichtige Handlung, deren Konsequenzen weder gewollt noch absehbar sind, der Auslöser einer Folge fataler Verstrickungen.
Wie in allen ihren bisherigen Büchern ist auch in diesem Roman Schuld und Sühne ein zentrales Thema.
Dass ein einjähriges Kind mit einer unbeabsichtigten im Spiel versunkenen Handlung diese Katastrophe auslöst, kompliziert den Fall zusätzlich.
Dass der Konflikt auch sehr stark kulturell eingefärbt ist, indem er Israeli und Araber einander gegenüberstellt, deren Ängste, Vorurteile und Rassismus schildert, bekommt er zusätzlich eine stark politisch gefärbte Komponente und ist aktueller denn je.
Dass viele Nebenstränge um die Aufmerksamkeit der Leser buhlen macht ihn nicht immer einfach.
Der erste Teil liest sich atemberaubend, steht einem Krimi, geradezu einem Page-Turner, in nichts nach.
Dann, im zweiten Teil verlagert sich die Handlung von der Aktions- auf die psychologische Ebene. Da spielt die Autorin ihr ganzes Wissen aus, lässt aber den Leser oft hängen.
Auch verlagert sich der Ort der Handlung von Israel nach Lagos.
Allerdings bleiben die Hauptfiguren oft blass und man wünscht sich mehr Hintergrund-Informationen.
Wir werden Zeuge wie die Verantwortung verdrängt wird, wie die Protagonisten vor den Konsequenzen flüchten.
Am Ende scheitert alles an der mangelhaften Kommunikation der Betroffenen. Alle sind irgendwie ungebetene Gäste im inneren Kreis der anderen, alle überschreiten Grenzen, seien es moralische, seien es physische oder emotionale. Im individualisierten Aufeinandertreffen der Gefühle und im Versuch, Schuld einzugestehen und abzuarbeiten zeigen die Figuren Schwächen und oft bleibt der Leser mit Unverständnis zurück. Lügen werden missbraucht und kulturelle Macht gewinnt am Ende.
Dieser Zerfall der Kommunikation, das Missinterpretieren von Handlungen, nur weil der falsche Mensch zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort war, nur weil selbst in der Familie die Eltern ihr Kind nicht verstehen und zur Psychiaterin gehen, dieser Auslöser des Sich-Nicht-Verstehens endet für viele Betroffene tragisch, während für sich für andere am Ablauf des Lebens nicht viel verändert.
Fazit: ein sehr lesenswertes Buch mit einigen Schwächen beim Verknüpfen der Erzählstränge, aber stilistisch hervorragend und vor allem mit einem ersten Teil voller Wucht und Spannung.