Doris Knecht kehrt in “Ja, nein, vielleicht” zurück zu ihrer autofiktionalen Ich-Erzählerin aus “Eine vollständige Liste aller Dinge, die ich vergessen habe ”. Nunmehr Mitte Fünfzig sieht sie sich konfrontiert mit der eigenen Endlichkeit und mit der Frage, ob sie ihr Single-Dasein nicht doch aufgeben sollte. Gerade letzteres kommt für sie eher überraschend, dachte sie doch, mit dem Kapitel abgeschlossen zu haben. Aber als in ihrem Bekanntenkreis die Hochzeitsglocken läuten und sich neue Pärchen bilden, gerät sie ins Grübeln.
Doris Knecht schreibt herrlich erfrischend, direkt, humorvoll vom Leben, vom mittleren Alter und den vielen Gedanken und Gedankenspiralen, in die sich auch jetzt noch/neuerdings so stürzen lässt. Grandios dabei der Kontrast zwischen den Gedanken der Erzählerin und ihren Taten. Mehrfach fühlte ich mich an Paul Watzlawiks Geschichte mit dem Hammer erinnert. Sie bezieht sich aber auch direkt auf Judith Herrmann oder Alex Capus und den scheinbaren Trend, die alternden Figuren von einem Marder/Siebenschläfer tyrannisieren zu lassen (bedauernd stellt sie fest, dass sie ihren eigenen Marder somit nicht thematisieren kann). Auch auf Ingeborg Bachmann verweist sie, wenn sie das Für und Wider einer erneuten Beziehung abwägt. Kleine Vorwarnung: ihre Erzählerin hat recht negative Erfahrungen gemacht und sieht Männer entsprechend kritisch. Das war mir etwas einseitig. Dabei kann ich die Gründe, keine neue Partnerschaft einzugehen, durchaus nachvollziehen (sich allgemein nicht mehr anpassen wollen, sich selber nicht mehr hinterfragen müssen, das Bedürfnis nach emotionaler Stabilität). Gerade diese Gedanken finde ich bei ihr enorm wichtig, ebenso wie ihre Kritik an den Vorurteilen, denen sich alleinstehende Frauen ausgesetzt sehen.
Die einzelnen Kapitel sind mittellang, lesen sich leicht, es wirkt, als würden wir mit Doris Knechts Erzählerin freundschaftlich unten am Fluss sitzen, ein Gläschen Wein trinken und miteinander reden. Immer mal wieder kehrt sie mit einem neuen Kapitel zu einem bereits früher begonnenen Thema zurück, somit kommt es gelegentlich zu Überschneidungen. Die Erzählung beginnt im Frühjahr und endet mit dem beginnenden Herbst. Witzig fand ich ihr Spiel mit der Metaebene, wenn sie als Autorin erkennbar wird und gleichzeitig ja doch weiter Erzählerin bleibt.
Lange Rede kurzer Sinn: Unterhaltsame, authentische Gedanken einer Frau mittleren Alters zum Altern, zur romantischen Liebe und zu Beziehungen an sich. Lesenswert!