In Der Schlächter geht es um einen Arzt im 19. Jahrhundert, der in einer psychiatrischen Anstalt für Frauen grausame medizinische Experimente durchführt – inspiriert von wahren historischen Figuren.
Joyce Carol Oates erzählt diese Geschichte mit beklemmender Intensität, und das auf eine Art, die unter die Haut geht. Das Buch ist erschreckend, manchmal verstörend und stellenweise schwer zu ertragen, vor allem, wenn man, so wie ich, abends liest. Es fiel mir oft nicht leicht, weiterzulesen, weil die Brutalität und das Leid der Figuren so schonungslos beschrieben werden. Ich habe deutlich länger für das Buch gebraucht als sonst.
Allerdings musste ich mich an Oates’ Schreibweise gewöhnen – zum Beispiel daran, dass sie durchgehend das „&“-Zeichen statt „und“ verwendet. Das hat meinen Lesefluss anfangs immer wieder gestört.
Die Geschichte wird größtenteils aus der Sicht des Arztes erzählt, was faszinierend, aber auch anstrengend ist – weil seine Selbstwahrnehmung so verzerrt ist und man als Leser oft zwischen Entsetzen und Fassungslosigkeit schwankt. Andere Perspektiven, etwa von den Patientinnen, hätte ich mir häufiger gewünscht, um mehr emotionale Tiefe und Ausgewogenheit zu bekommen.
Was mich dennoch beeindruckt hat, ist, wie vielschichtig Oates diesen historischen Stoff aufarbeitet – sie zeigt, wie leicht Macht missbraucht werden kann, wenn niemand hinschaut. Und wie grausam die Medizin in ihrer Geschichte oft mit Frauen umgegangen ist.
Ein schweres, aber wichtiges Buch – keine einfache Lektüre, aber eine, die einen nachdenklich zurücklässt.