Als Jurastudentin war ich neugierig, wie Elisa Hoven die juristische Realität in Literatur übersetzt. Was ich nicht erwartet habe ist, dass mich das Buch emotional so mitnimmt und gleichzeitig so zum Nachdenken bringt. V.a. Weil wir im Studium vor allem im Strafrecht viele Fälle anschauen und so zu einem gewissen Grad emotional „trainiert werden“ neutral zu reagieren.
Die Perspektive der Anwältin hat mich gepackt – nicht nur, weil sie fachlich kompetent ist, sondern weil sie zweifelt, hadert und eben schlussendlich trotzdem scheitert. Es sind genau diese Darstellungen von Graubereichen, die mich zum Nachdenken gezwungen haben: Wie „neutral“ ist unser Rechtssystem eigentlich wirklich? Was bedeutet Gerechtigkeit im Gegensatz zum Gesetz?
Das Buch zeigt, wie eng Recht, Macht und Menschlichkeit miteinander verflochten sein können. Dass die Autorin dabei dem Leser Raum zur eigenen Positionierung lässt, finde ich cool.
Das Buch liest sich schnell und die Sprache ist einfach. Lediglich beim 5. Fall (der Kannibale) hatte ich Mühe vorwärts zu kommen, weil ich den echt krass fand…
Für mich war Dunkle Momente nicht nur spannend, sondern auch lehrreich – und zwar auf eine Weise, die im Studium selten vorkommt: emotional, menschlich, irritierend. Genau deshalb lohnt sich das Lesen.
Stellen die mich besonders zum Nachdenken gebracht haben sind Folgende: