Das geheime Bildnis ist ein spannender und klug konstruierter Roman, der Kunstgeschichte, Familiengeheimnisse und Krimi auf geschickte Weise verbindet. Erzählt wird auf drei Zeitebenen – von der Künstlerin Juliette, die 1938 unter mysteriösen Umständen stirbt, bis zu einer Mordermittlung in der Gegenwart. Die Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart wird nach und nach entfaltet, mit zahlreichen Andeutungen und überraschenden Wendungen.
Besonders gefallen haben mir die atmosphärischen Schauplätze – das Paris der Vorkriegszeit, das elitäre Cambridge der 90er und das moderne Dubai als Schauplatz des finalen Dramas. Auch die Figuren, insbesondere die weiblichen, sind vielschichtig und glaubwürdig gezeichnet.
Was für mich den fünften Stern verhindert hat, war das Ende: Nach einem sehr sorgfältigen und spannenden Aufbau wirkte die Auflösung etwas überhastet, fast schon gedrängt – als ob der komplexe Handlungsfaden zu schnell zusammengeführt werden musste. Ein paar Fragen bleiben offen, manche Motive wirken im Rückblick etwas konstruiert.
Trotzdem: Ein intelligenter, atmosphärischer Spannungsroman mit Tiefgang, der kunstvoll Vergangenheit und Gegenwart miteinander verwebt. Für Leser*innen, die gerne mitdenken und eine gewisse historische Tiefe schätzen, absolut empfehlenswert.