Ich mochte an A Tale of Foxes and Moons besonders, wie die Autorin Mythologie mit sehr persönlichen Themen verbindet. Die Geschichte folgt Aiko, die nicht einfach eine „Heldin“ ist, sondern eine Medizinstudentin, die damit klarkommen muss, dass sie die Reinkarnation einer Göttin ist und eine komplizierte Vergangenheit mit sich herumträgt – nicht nur ihr eigenes Trauma, sondern gewissermaßen auch das Trauma vieler früherer Leben. Diese Idee, dass sich ungelöste Konflikte immer wiederholen, fand ich sehr spannend, weil sie auch etwas über echte emotionale Muster im Leben sagt.
Die Beziehung zwischen Aiko und Chiaki ist ebenfalls nicht simpel. Er ist ihr Rivale, jemand, der sie in jedem früheren Leben getötet hat, aber nun müssen sie zusammenarbeiten, um den Kreislauf zu durchbrechen. Ich fand das überzeugend beschrieben – ihre Spannungen wirken nachvollziehbar, und es wird nicht beschönigt, wie schwer Vertrauen ist, wenn man so eine Geschichte miteinander hat.
Was mir auch gut gefallen hat, ist die Atmosphäre. Der Wald, die Kodama-Geister, die Mondsymbolik – das alles verleiht dem Buch etwas sehr Bildhaftes und auch ein bisschen Melancholisches. Gleichzeitig bleibt es aber zugänglich und wird nicht zu überladen.
Besonders hervorheben möchte ich, dass das Buch sehr gut geschrieben ist und sich dadurch wirklich einfach lesen lässt. Das hat mich positiv überrascht, weil es sprachlich nie kompliziert wirkt und man trotzdem sehr gut in die Welt eintauchen kann. Gleichzeitig ist es aber auch deutlich düsterer (Was ich persönlich ein wenig schade fand), als ich anfangs erwartet hatte. Es werden einige belastende Themen aufgegriffen – wie Schuld, Krankheit, Tod, Verlust, Sexuelle Belästigung (Triggerwarnung: S. 41–45)) und der Gedanke, in einem schicksalhaften Kreislauf festzustecken. Das verleiht der Geschichte eine Ernsthaftigkeit, die sie tiefgründiger macht, ohne dabei unangenehm aufdringlich zu wirken.
Schön fand ich auch, dass mehrere Beziehungen der Hauptfigur Aiko beleuchtet werden – nicht nur die zentrale Dynamik mit Chiaki, sondern auch ihr Verhältnis zu ihrem Vater, zu ihrer Tante und zu ihrer besten Freundin Minako. Diese zusätzlichen Bindungen machen Aiko als Figur glaubwürdig und komplex und zeigen, dass sie nicht nur eine mythische Rolle erfüllen muss, sondern auch ein Mensch mit echten, alltäglichen Verbindungen ist.
Außerdem lernt man beim Lesen sehr viel über die Kultur Japans – sei es über die Mythologie rund um Inari und Tsukuyomi, die Kodama-Geister oder auch über Alltagsszenen und familiäre Erwartungen. Das wird unaufdringlich, aber wirkungsvoll in die Handlung eingeflochten und hat mir wirklich gut gefallen.
Insgesamt würde ich sagen: Es ist kein reines Abenteuerbuch, sondern eher eine Geschichte über Schuld, Wiederholung und die Frage, ob man alte Muster durchbrechen kann. Ich mochte es genau deshalb – weil es sich Zeit nimmt für die Figuren, ihre Beziehungen und ihre Entwicklung, ohne dabei auf spannende Fantasy-Elemente zu verzichten.