Dieses Buch erzählt die Geschichte von Hai, einem jungen Vietnamesen, der in einer abgelegenen Kleinstadt in Amerika lebt und sich mit den Härten und Enttäuschungen des Lebens auseinandersetzt.
Anfänglich störten mich die langen und komplexen Sätze, die der Autor verwendet. Doch mit jedem Umblättern wurde ich immer mehr in die Geschichte hineingezogen. Die Protagonisten und ihre Erfahrungen werden so lebendig und detailliert beschrieben, dass ich sie förmlich vor mir sehen konnte. Da es sich bei ihnen fast durchwegs um Randfiguren der Gesellschaft handelt, bekommt der Leser auch einen eindringlichen Einblick in die Probleme, mit denen sie konfrontiert sind: Mindestlöhne, Drogenabhängigkeit, familiäre Konflikte, mangelnde Ernährung und Gesundheitsversorgung, Schamgefühle, unerfüllte Träume und vieles mehr. Der Autor verharmlost nichts, sodass bestimmte Szenen regelrecht ekelerregend sind.
Während des Lesens dachte ich öfter: “Glücklicherweise bin ich nicht unter solchen Umständen aufgewachsen!” Trotzdem habe ich das Buch sehr gerne gelesen. Die Protagonisten verbindet eine ungewöhnliche Freundschaft, die das Herz erwärmt. Man sollte dieses Buch keinesfalls in die Kategorie “queer” einordnen. Die Tatsache, dass Hai schwul ist, spielt eine untergeordnete Rolle, und die Thematisierung von Queerness scheint eher ein marketingstrategischer Aspekt gewesen zu sein.
Das Buch ist in vier Teile gegliedert: Sommer, Herbst, Winter und Frühling. Der Leser wird damit quasi zum Zeugen eines Jahres im Leben Hais. Das Ende hat mir besonders gut gefallen.