Ich habe bereits einige Bücher von V.E. Schwab gelesen – darunter Addie LaRue, Vicious und Vengeful – und war jedes Mal fasziniert von ihrem einzigartigen Schreibstil: poetisch, tiefgründig, intensiv. Ich wusste sofort, dass ich es lesen muss. Und als ich das Buch schließlich beendet hatte, war ich fassungslos, aufgewühlt und voller Gedanken, die sich nicht mehr abschütteln lassen.
Drei Frauen. Drei Jahrhunderte. Ein dunkles Vermächtnis.
Bury Our Bones in the Midnight Soil erzählt die Geschichten von Maria, Charlotte und Alice, die in unterschiedlichen Epochen leben – 1511, 1827 und 2019 – und doch durch ein blutiges Erbe verbunden sind. Alle drei suchen nach Freiheit, Identität und einem Platz in einer Welt, die sie nicht sehen will. Was als Suche beginnt, führt sie auf einen Weg voller Entscheidungen, Gewalt, Verlangen – und etwas, das mehr ist als nur menschlich.
Bereits ab den ersten Seiten war ich gefesselt vom Stil der Autorin. Sie schreibt ruhig, fast schwebend, aber voller Kraft. Ihre Sprache ist nicht laut, aber sie wirkt tief – und genau das liebe ich. Die Geschichten von Maria und Alice haben mich am meisten berührt.
Maria lebt im 16. Jahrhundert in einer Welt, die ihr keinen Raum lässt. Ihre Rebellion ist leise, aber voller Glut. Ich spürte ihre Frustration, ihre Wut – und ihren Mut, sich selbst treu zu bleiben, auch wenn sie es nicht offen zeigen darf. Ihre Begegnung mit Sabine verändert alles, und man spürt, dass sie endlich eine Wahl bekommt – auch wenn der Preis dafür hoch ist. Alice, hingegen, ist stiller, verletzlicher – aber nicht weniger eindrucksvoll. Ihre Unsichtbarkeit schmerzt, ihre Sehnsucht ist greifbar. Sie wirkt zart, trägt aber schwere Schatten mit sich. Die Momente mit Lottie sind intensiv und zerbrechlich, und ich hoffte so sehr, dass sie ihren Platz findet – dass sie gesehen wird.
Die drei Erzählstränge fügen sich zu einem dunklen, melancholischen Mosaik, in dem es nicht um klassische Action oder Tempo geht – sondern um Atmosphäre, Charaktertiefe und Sprachgewalt. Wer sich darauf einlässt, wird belohnt mit einer Geschichte, die mehr zeigt als erzählt. Die einen umhüllt wie ein düsterer Schleier und trotzdem leuchtet.
Im Verlauf der Geschichte nimmt die Intensität zu. Überraschende Wendungen, emotionale Brüche, tiefe Themen: Begierde, Selbstbestimmung, Schuld, Blut, Macht – alles greift ineinander. Mich hat das Buch gepackt, nicht losgelassen und am Ende einfach überwältigt zurückgelassen.
Ich bin absolut begeistert.
Bury Our Bones in the Midnight Soil ist brutal, zart, blutig, poetisch, queer, schmerzhaft und wunderschön zugleich. V.E. Schwab hat es wieder geschafft: mit Charakteren, die leben, leiden, wachsen und uns in den Abgrund – oder ins Licht – blicken lassen.
Ein Buch für alle, die poetische Sprache, düstere Atmosphäre, feministische Themen und queere Charaktere lieben.
Für Leser:innen, die sich auf leise Wucht, komplexe Figuren und subtile Tiefe einlassen wollen.
Für alle, die sich gerne in einer Geschichte verlieren, die einen leise zerreißt.