Das trifft auf das Drama “Les Aérostats” aus meiner Sicht zu. Ich habe mir das Hörbuch zu Gemüte geführt.
Die junge Philologin Ange wird als Privatlehrerin für Pi, einen sechzehnjährigen Jugendlichen, engagiert, um ihm das Lesen zu lehren - sprich das Lesen von Literatur. Er ist mathematisch sehr begabt, hat sich bisher aber gesträubt, zu lesen. Der nur wenig älteren Ange gelingt es, ihn für die Bücher zu begeistern. Anlässlich dieser Lektionen erhält man Einblick in die Familie von Pi, in dessen Leben und auch in jenes von Ange. Pis Vater ist ein Mann, der alles unter Kontrolle haben muss - insbesondere alles was seine Frau und sein Sohn tun. Ange ist eher eine Einzelgängerin. Der Kontakt mit Ange und damit, dass sich in den Diskussionen und mit der Literatur für Pi eine neue Welt auftut, ist eine Entwicklung im Gange. Es sind Abgründe, die sich auftun.
Die Exkurse, welche verschiedene literarische Werke zum Thema haben sind fundiert und interessant gestaltet. Nicht ausufernd. Für alle, die gerne lesen und sich mit Literatur beschäftigen, ein Supplément, das die Geschichte gut ergänzt.
Die ruhige Sprache, das Sanfte geben eine unvergleichliche Note. Das Hörbuch ist dazu ausnehmend gut gesprochen, was einem die Atmosphäre des einerseits Schönen und des andererseits Fremden, Dunklen sehr nahe bringt.
Für mich ist Amélie Nothombe eine Neuentdeckung. Ich will unbedingt mehr von ihren Werken lesen oder hören.