In „Neujahr“ begleitet man Henning, einen scheinbar durchschnittlichen Familienvater, auf einer Radtour auf Lanzarote – eine Flucht vor dem Alltagsdruck, eine Reise ins Innere. Juli Zeh gelingt es dabei mit ihrer gewohnt präzisen und atmosphärischen Sprache, die psychischen Zustände ihres Protagonisten spürbar zu machen. Ihre Stärke liegt klar in den detaillierten Beschreibungen, mit denen sie emotionale Tiefe erzeugt und eine subtile Spannung aufbaut.
Diese sprachliche Feinfühligkeit ist gleichzeitig Stärke und Schwäche des Romans: Manchmal verliert sich die Erzählung in der Dichte der Gedanken, wirkt langatmig, fast schwerfällig. Es ist jedoch eine Geschichte, die Wirkung hinterlässt und Fragen nach Verdrängung, Elternschaft und psychischer Belastung stellt.