Als passionierter Thriller-Leser war ich sofort vom Setting des Buches fasziniert: Traumstrände, Luxushotels und das Verlockende eines Urlaubsparadieses, das sich rasch in einen Albtraum verwandelt. Schon das Cover versprach Spannung – und das Buch hielt dieses Versprechen zumindest über weite Strecken ein.
Der Einstieg ist packend und schockierend: Nur eine Person überlebt ein Massaker – und es ist Kate, die mit ihrer eigenen psychischen Geschichte (u.a. Panikattacken) sofort Empathie weckt. Der Schreibstil ist flüssig und mitreißend, man wird schnell in die Handlung hineingezogen. Überraschend ist, dass sich die drei Frauen – Jade, Kate und Darcy – gar nicht lange kennen und dennoch gemeinsam eine Fernreise antreten. Diese Konstellation wirft von Beginn an Fragen auf und erzeugt ein gewisses Unbehagen, das sich durch die gesamte Geschichte zieht.
Die Figuren sind vielschichtig angelegt, allerdings nicht immer überzeugend umgesetzt. Jade, deren Beziehung zu Rob toxisch geprägt ist, weckt Mitgefühl – auch wenn ihre Handlungen manchmal schwer nachvollziehbar bleiben. Darcy hingegen entfaltet sich erst im letzten Teil als zentrale Figur und wahre Drahtzieherin – eine Enthüllung, die als starker Höhepunkt wirkt. Robs Rolle im Geflecht der Beziehungen, seine Verbindung zu Antonis Verschwinden und sein Verhalten gegenüber Jade tragen zur psychologischen Spannung bei, bleiben aber in ihrer Tiefe stellenweise blass.
Besonders gelungen ist die dramaturgische Wendung im dritten Teil: Die Enthüllung der Mörderin und das Verweben der unterschiedlichen Zeitebenen sorgen für ein hohes Erzähltempo und steigern die Spannung deutlich. Der Thriller lebt von seinen zahlreichen Twists, überraschenden Entwicklungen und der düsteren Atmosphäre.
Dennoch bleibt ein gewisser Nachgeschmack. Manche Nebenfiguren – wie Jakob oder seine neue Freundin – bleiben zu oberflächlich gezeichnet. Auch die Beweggründe von Darcy, ihre Vergangenheit und ihre Motivation als Mörderin, werden nur angedeutet statt überzeugend vertieft. Die Entscheidung, Jade als Ich-Erzählerin einzusetzen, wirkt etwas unausgereift, da ihre Perspektive nicht die emotionale Tiefe bietet, die man sich wünschen würde.
Positiv hervorzuheben ist der Ausblick nach dem Hauptgeschehen und der Anhang mit den Gedanken der Autorin – sie liefern interessante Einblicke in die Entstehung der Geschichte.
Fazit:
Ein spannender, atmosphärisch dichter Thriller mit starken Plot-Twists und einem überraschenden Finale. Für Fans temporeicher Geschichten und düsterer Geheimnisse absolut lesenswert – auch wenn manche Figuren und psychologische Details unterentwickelt bleiben. Empfehlenswert für alle, die über kleinere Schwächen hinwegsehen können und Lust auf ein Leseerlebnis mit tropischem Setting und psychologischem Nervenkitzel haben.