*Nidau, 1897. Charlotte Henzi erfährt durch Zufall, dass ihre Eltern gar nicht ihre leiblichen Eltern sind. Entwurzelt, aber zugleich bestätigt, dass sie nie in diese Familie gehörte, folgt sie einer Einladung nach Bern. In einer Kirche findet sie Gott und neue Freunde. Sie studiert fleissig die Bibel und ist begeistert von der Heilsarmee und deren Wirken. Sie will das Evangelium verkünden – doch genau das soll sie als Frau eben nicht. Und nun? Gottes Ruf folgen oder den Glaubensgeschwistern, die sie abhalten wollen?
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Erster Eindruck: Ein schlichtes Cover mit einer Frau in den Gassen von Bern – gefällt mir. Ein Personenverzeichnis und ein Glossar schweizerischer Begriffe am Ende des Buches sind sehr hilfreich.
Die Enthüllung, dass Charlottes Eltern gar nicht ihre Eltern sind, ist ein Schock. In ihrem Herzen schmerzt aber nicht nur die Entwurzelung, sondern sie hat zugleich die Bestätigung, dass ihr jahrelanges Gefühl, nicht dazuzugehören, stimmig war. Was ist passiert, dass sie nicht bei ihren richtigen Eltern aufwachsen konnte? Die Einladung ihres bis dahin nur durch Karten und Geschenke bekannten Patenonkels Thomas kommt ihr gerade recht: Der Geologe lebte jahrelang in Grossbritannien, ist nun aber in die Schweiz zurückgekehrt. Sie freut sich, ihn kennenzulernen und macht sich auf die Reise nach Bern. Aufgrund ihrer privilegierten Situation – auch im Haushalt ihres Göttis – kann sie sich ihrem Bibelstudium und der Kirche widmen.
Für mich war es das erste Buch der Autorin, insofern habe ich keine Vergleichsmöglichkeiten. Bei mir auf dem SUB wartet jedoch noch die Uhrmacherin-Trilogie, worauf ich mich sehr freue. Das Buch hat sich flüssig lesen lassen und ich konnte mir die Protagonisten sehr gut vorstellen. Es war für mich zudem ein sehr spezielles Lesegefühl, da ich in der beschriebenen Region wohne und dementsprechend die Plätze auch kenne. Nur spielte eben alles in einer viel früheren Zeit und wirkte dadurch gleichwohl fremd und unbekannt. Sehr interessant fand ich die Informationen rund um die Heilsarmee. Die Heilsarmee ist in der Schweiz sehr bekannt, nicht zuletzt durch ihre Brockenhäuser, Notschlafstellen oder auch ihre Spendensammelaktionen vor Weihnachten, wo sie in Gruppen singend auftritt. Ich habe mir jedoch vorgängig noch nie Gedanken über deren Gründung oder die Opposition zu Beginn ihres Wirkens gemacht. Es war sehr mutig von Charlotte und ihren Mitschwestern, sich zu exponieren, um das Evangelium zu verkünden.