Tabitha Hardy lebt erst seit kurzem wieder an dem Ort ihrer Kindheit, einem Dorf an der englischen Küste. Hier will sie Ruhe finden, zur Ruhe kommen. Daraus aber wird ganz und gar nichts, denn sie wird des Mordes an ihrem Nachbarn beschuldigt. Alle Indizien sprechen erst einmal gegen sie und sie selbst kann sich einfach nicht mehr daran erinnern, was an diesem Dezember-Tag geschehen ist…Die Beweise scheinen erdrückend zu sein und Tabitha in der Untersuchungshaft kann nicht viel dagegen ausrichten. Keinesfalls aber will sie dem Rat ihrer Anwältin folgen und sich schuldig bekennen.
Die Protagonistin wird als mürrische Einzelgängerin geschildert – sie ist labil, recht sperrig, legt es wirklich nicht drauf an, gemocht zu werden; sie nimmt viele Medikamente, die ihr Bewusstsein trüben und das macht vieles auch sehr schwer. Denn ihre Erinnerungen – ganz allgemein – kann sie ihnen wirklich trauen?
Aber sie ist auch ausgesprochen mutig, feuert sie doch ihre Anwältin und beginnt – aus dem Gefängnis heraus – selber nachzuforschen und sich zu verteidigen. Ich mag so unangepasste Figuren; waghalsig, störrisch, impulsiv und als die Handlung dann im Gericht fortgeführt wird, konnte ich oft nur grinsen über die ungehörige und chaotische Verteidigung dieser Tabitha….
Außerdem erreicht sie eine ganze Menge und kann dem Gericht auch viele Personen aufzeigen, die genauso einen Grund gehabt hätten, ihren Nachbarn und ehemaligen Lehrer umzubringen. Denn dieser war keineswegs so ein Saubermann, wie es zuerst den Anschein erweckte….
Gut – dass manches natürlich eher utopisch ist (die Anklage steht von vornherein im Grunde auf tönernen Füßen) und alle „Profis“ , die in diesem Roman vorkommen, sind und handeln so, dass man oft nur den Kopf schütteln kann – nicht sehr wahrscheinlich.
Trotzdem zog mich die Geschichte in ihren Bann und gefiel mir wirklich gut.