Ich habe dieses Buch als Rezensionsexemplar auf einer Bücherplattform erhalten.
Hängengeblieben bin ich bei diesem Buch, als ich die Kurzbeschreibung etwas näher angesehen habe - glücklicherweise. Leider finde ich das Buchcover gar nicht ansprechend, und der Titel bleibt für mich nichtssagend (auch wenn mir klar ist, dass es auf das Merkmal Nr. 1 von Immobilien - die Lage - anspielen soll). Hier steckt aber für einmal ein sehr gutes Buch in einer mittelmässigen Verpackung!
Sven Odia war mir bisher nicht bekannt, wohl aber das Unternehmen, an dessen Spitze er stand - Engel & Völkers dürfte jedem einigermassen aufmerksamen Menschen nicht nur in Deutschland, sondern auch bei mir zu Hause in der Schweiz und in vielen weiteren Ländern Europas ein Begriff sein. Das das so ist scheint zu einem wesentlichen Teil (mit) das Verdienst von Herrn Odia zu sein - beeindruckend!
Sven Odia’s Weg klingt teilweise nach Bilderbuchkarriere - mit etwas Zufall und Glück früh die Berufung gefunden, Berufswahl und Talente sind ein perfect Match, als junger Mensch zur rechten Zeit am rechten Ort einfach den Mut - jugendlicher Leichtsinn? - gehabt, verbunden mit einem Umfeld, dass die nötige Unterstützung bieten konnte und wollte - et voilà. Dass es nicht ganz so einfach ist wie es klingt, beschreibt Herr Odia in seinem Buch sehr anschaulich, und obwohl vieles glamourös klingt, wirkt nichts an der Erzählung wichtigtuerisch, sondern stets “down to earth”. Lage, Lage, Leadership liest sich fast wie ein Roman mit wahren Fakten, eine Erzählung, aus der sich der Leser gute Impulse mitnehmen kann. Das Buch dreht sich um Management, ist aber meines Erachtens kein Ratgeber (und verzichtet daher gottseidank auch auf diese tumben Aussagen wie “jeder kann das erreichen - man muss nur wollen”, die mehr Schaden als Nutzen anrichten).
Ungewöhnlich erscheint bereits Sven Odia’s Einstieg in die Immobilienbranche: Die Entscheidung, sich zum Immobilienmakler ausbilden zu lassen anstatt nach dem Abitur zu studieren; und dann ist das noch nicht mal ein angesehener Beruf - Makler, sind das nicht die, die einen immer nur mit dem Blick auf den eigenen Gewinn über den Tisch ziehen wollen? Ja, im Immobilienhandel - und wohl besonders bei der Zielgruppe, die Engel & Völkers anvisiert - ist auch ein Geschäft mit Wünschen und Träumen, aber der Autor zeigt auf, dass ihm intuitiv von Beginn an klar war, dass es in erster Linie um ein Geschäft mit Menschen, nicht mit Objekten geht. Der Enthusiasmus springt einen als Leser schon fast an, die Freude, Menschen mit den passenden Immobilien zusammenführen zu können. Diese Freude an Menschen, am Umgang mit Menschen, scheint auch ein wesentlicher Aspekt dessen zu sein, was Herrn Odia so erfolgreich macht. Man glaubt ihm, wenn er schreibt, dass die Menschen für ihn im Zentrum stehen, und er auch anderen die Möglichkeit geben will, sich frei zu entwickeln - so, wie er das selbst konnte.
Interessant sind auch die Einblicke in den Immobilienmarkt und in das Unternehmen Engel & Völkers - ich wusste zB nicht, dass E&V derart stark nach einem Lizenz- / Franchisemodell funktioniert, und offenbar darin auch eine Pionierrolle in der Branche eingenommen hat. Oder auch das Verhalten der Immobilienmärkte - bzw. der Menschen die auf diesen Märkten agieren - im Verlauf von Krisen, und die Bedeutung und Signalwirkung, die ein Markteintritt in dieser Branche wirtschaftlich insgesamt haben kann (eindrücklich beschrieben an den Beispielen Barcelona und Athen).
Nebst viel Inspiration, die ich aus diesem Buch ziehen kann, stelle ich mir bei der Lektüre immer wieder die - nicht sehr angenehme - Frage “Du bist praktisch gleich alt wie der Autor. Was hast du denn in deinem Leben vorzuweisen?” Das ist generell das “Risiko” an Biographien erfolgreicher Menschen - man muss beim Vergleich mit sich selber eine Grenze ziehen, und sich bewusst machen, dass erstens nicht alles was beim einen erfolgreich ist sich beim anderen genauso umsetzen lässt, und dass andererseits auch ein hoher Preis hinter jedem Erfolg steckt und nicht alle Prioritäten gleich sind.
Insgesamt finde ich das Buch sehr lesenswert, und ich würde es allen empfehlen, die ein Interesse haben an Berichten über Unternehmen, an interessanten Biographien, und an der Immobilienbranche.