Der Warnhinweis am Anfang ist absolut ernst zu nehmen: Dieses Buch ist keine leichte Kost.
Fesselnd vom ersten Moment an zieht es einen in seinen Bann und zeigt unzensiert die unschönen Seiten des Menschen, der sozialen Medien, der Technologie und der Polarisierung.
Ich habe selten ein Buch gelesen, das unsere Zeit so schonungslos und direkt kritisch beleuchtet – ohne den mahnenden Zeigefinger zu erheben, ohne Anschuldigungen. Und doch ist die Aussage glasklar. Spannend und packend führt es einen an den Abgrund.
Das Erschreckendste: Der Autor braucht keine Dystopie, keine Fantasy und keine Science-Fiction. Es liest sich wie eine Nachrichtensendung, wie ein Bericht. Es könnte morgen genauso in unseren Zeitungen stehen. In einfacher, fast schon schlichter Sprache wird erzählt. Ohne Effekthascherei, ohne künstliche Spannungsmomente. Man begleitet einfach die Hauptfigur Yasira Saad. Genau das macht die Geschichte umso eindringlicher.
Hitchcock war dafür bekannt, dass seine Filme beim Publikum nachwirken sollten. Wer seine Werke kennt, weiß, was ich meine – plötzlich wirken Vögel unheimlich, und in der Dusche dreht man sich ohne ersichtlichen Grund mehrfach um. Hitchcock selbst sagte einmal: „Ein Blick in die Welt beweist, dass Horror nichts anderes ist als Realität.“
Wer dieses Buch liest, muss sich auf einen „Hitchcock-Moment“ einstellen. Die volle Wirkung entfaltet sich nämlich erst, wenn man es zur Seite legt, zum Handy greift – und …
Nein, ich spoiler nichts.
ABER: Wer nicht bereit ist, unsere Welt etwas kritischer zu sehen, sollte die Finger von diesem Buch lassen. Es hallt nach – und man legt es nicht nur aus der Hand, man kommt verändert zurück.
Und ja, es macht auch ein bisschen Angst. 😱