Zum Inhalt: „Emily ist weg.“ Mit diesem Satz beginnt alles – und sofort ist klar: Hier wird jemand vermisst. Malou Löwenberg, ehemals Polizistin, nun frischgebackene Privatermittlerin, wartet ungeduldig auf ihren ersten Fall. Der lässt nicht lange auf sich warten: Eine verzweifelte Mutter bittet sie, ihre Tochter Emily zu finden.
Problem Nummer eins: Emily gilt seit Jahren als verschwunden. Ein sogenannter Cold Case, längst von der Polizei zu den Akten gelegt. Doch die Mutter zahlt eine stattliche Anzahlung – und Malou beginnt zu ermitteln.
Zitat:„Emily ist ihre Tochter.“ – „Nein. Meine Tochter hiess Amélie.“
Meine Gedanken: Auch dieser Kriminalroman ist ein typischer Brandfall – im besten Sinne. Kein Wunder, dass Blind von Christine Brand kürzlich verfilmt wurde: Vermisst hätte definitiv ebenfalls das Zeug für die Leinwand.
Die bildhafte, süffige Sprache und klaren Sätze ziehen einen sofort in die Geschichte. Wie gewohnt baut Brand die Spannung sorgfältig auf – ruhig, aber eindringlich. So fliegen die über 500 Seiten nur so dahin.
Trotz aller Stärken hätte der Roman stellenweise etwas gestrafft werden dürfen – ein Kritikpunkt, der sich bei Brand häufiger findet. Dennoch bleibt der Fall fesselnd bis zur letzten Seite.
Mein Fazit: Ein Krimi ohne Blut, aber mit Wucht. Für alle, die psychologisch fein erzählte Spannung schätzen, sich für reale Vorbilder in der Krimiliteratur interessieren – und ein Buch suchen, das nach dem Zuschlagen noch lange nachhallt.