Ein luxuriöses Schiff, alte Freundschaften und unterschwellige Spannungen – „Die Yacht“ von Sarah Goodwin spielt mit einem faszinierenden Setting und einer explosiven Gruppendynamik. Was als exklusive Wiedervereinigung unter ehemaligen Schulfreunden beginnt, entwickelt sich schnell zu einem psychologischen Spiel auf engem Raum. Eingesperrt auf offener See, mit schwindenden Vorräten und ohne Kontakt zur Außenwelt, geraten nicht nur die äußeren Umstände aus dem Gleichgewicht, sondern auch die Beziehungen an Bord …
Im Mittelpunkt steht Hannah, die einzige aus der Gruppe, die es im Leben „nicht geschafft“ hat. Sie hat weder das Geld noch den Glamour der anderen – und genau das macht sie zur Außenseiterin. Diese Dynamik zwischen den Freunden ist eine der großen Stärken des Romans. Anfangs noch subtil, entwickeln sich zunehmend Spannungen, unterschwellige Feindseligkeiten und kleine Machtspiele, die die Atmosphäre an Bord immer angespannter werden lassen.
Dazu kommt das eindrucksvolle Setting: Eine luxuriöse Yacht, die einsam auf dem Meer treibt. Kein Kontakt zur Außenwelt, kaum Vorräte, wachsende Paranoia. Diese beklemmende Ausgangslage erzeugt zu Beginn eine dichte, klaustrophobische Stimmung, die mich absolut in ihren Bann gezogen hat.
Etwa die ersten 40 Prozent des Buches habe ich regelrecht verschlungen – die Gruppendynamik, das geheimnisvolle Setting und die vielen kleinen Hinweise auf mögliche Abgründe machten das Lesen zu einem echten Pageturner. Doch leider konnte die Geschichte dieses Spannungsniveau nicht halten.
Ab der Mitte verlor das Buch für mich spürbar an Tempo. Viele Szenen – insbesondere Streitigkeiten – wiederholten sich und wurden teils über Seiten hinweg ausgewalzt, ohne wirklich neue Impulse zu setzen. Auch die vielen detailreichen Beschreibungen wirkten zunehmend ermüdend. Ich ertappte mich dabei, wie ich Passagen nur noch überflog, weil mir der rote Faden fehlte und sich die Handlung stellenweise wie Kaugummi zog.
Das Ende konnte mich dann leider gar nicht mehr abholen. Ich hatte auf eine dramatische Zuspitzung, auf überraschende Wendungen oder zumindest einen letzten Spannungsmoment gehofft – stattdessen plätscherte das Finale eher kraftlos dahin.