Jessica Anthonys Roman spielt am 3. November 1957. Als allwissende Erzählerin wechselt sie die Perspektive zwischen den Eheleuten Kathleen und Virgil Beckett. Die beiden sind seit 1948 verheiratet, haben zwei Söhne und sind vor einem guten halben Jahr von Rhode Island zurück nach Newport gezogen. An diesem ungewöhnlich warmen Novembersonntag nutzt Kathleen erstmals den Pool, der zur Anlage gehört und weigert sich, diesen zu verlassen.
Anthonys Figuren kehren während des Tages gedanklich zurück in längst vergangene Zeiten. Sie erinnern sich sprunghaft an prägende Momente in ihren Leben, die sie bis hierhin geführt haben. In eine Ehe, in der beide nicht unzufrieden sind, aber in der sie sich selbst, dem jeweils anderen und der Gesellschaft vieles nur vorspielen. Beide machen im Verlauf des Tages eine Entwicklung durch – wie genau ihre Zukunft aussehen wird, das lässt Anthony für uns offen. Ich sehe sie hoffnungsvoll, könnte mir aber vorstellen, dass sie unterschiedlich interpretiert wird. Mir gefiel das Schlussbild in Virgils Perspektive.
Es ist ein ruhiger, kontemplativer Roman und ich habe mich mehrfach gefragt, in welche Richtung sich die Handlung entwickelt: wird Kathleens Weigerung, den Pool zu verlassen, Folgen haben wie in Mareike Fallwickels «Und alle so still»? Ist es eine Gesellschaftskritik und ein Aufruf zu Feminismus, weiblicher Selbstbestimmung? Nein, darum ging es Anthony nicht. Sie stellt Kathleen als ebenso komplexe, selbstbestimmte und gleichzeitig von den Konventionen geprägte Person dargestellt wie Virgil. Es geht mehr um das Miteinander der beiden. Was zählt wirklich in Paarbeziehungen? Ebenso betrachtet sie unsere Konditionierung, gesellschaftliche Konventionen über persönliche Träume und Interessen zu stellen. Vielleicht auch deswegen das 50er-Jahre-Setting: weil die eigentlichen Themen zeitlos sind. Anthonys Erzählung kommt zudem ohne konstruierte Dramatik aus.
Ich habe «Es geht mir gut» gern gelesen, wäre aber vorsichtig damit, es uneingeschränkt zu empfehlen. Es braucht ein Faible für ruhige, leicht schwermütige, literarische Texte, vielleicht braucht es auch ein bestimmtes Alter und eine gewisse Lebenserfahrung, um sich in die Figuren hineindenken zu wollen. Es ist eine Lektüre, die gerade wegen des starken Bilds der im Pool treibenden Ehefrau bleibt.
Aus dem Amerikanischen von Andrea Stumpf und Gabriele Werbeck.