Ich muss gestehen, dass ich dieses Buch durch das Cover und den Klappentext sofort ins Auge gefasst habe. Die düstere, geheimnisvolle Atmosphäre, die es verspricht, hat mich direkt angesprochen. Interessant ist, dass Schloss der Lügenlose auf Edgar Allan Poes Erzählung The Masque of the Red Death basiert – ein Werk, das ich bislang nicht kannte, da ich Poe für sehr gruselig halte. Doch das Buch hat es geschafft, mich zu fesseln, trotz einiger Schwächen.
Worum es geht:
Imogen lebt in einer Welt, in der die Menschen von einer tödlichen Seuche bedroht sind, die ihr Leben auf den Kopf stellt. Um sich zu retten, nimmt sie eine neue Identität an und wird als Seraphina in ein abgelegenes Schloss gebracht, das von einer geheimen Gesellschaft beherrscht wird. Dort trifft sie auf Nico, einen Metzgerssohn, der für das Wohl der Menschen im Schloss sorgt – doch auch er hat seine eigenen Geheimnisse. Gemeinsam müssen sie in einer Welt voller Intrigen und Lügen um ihr Überleben kämpfen.
Meine Meinung:
Die Grundidee des Buches hat mich von Anfang an begeistert – ein abgelegenes Schloss, dunkle Geheimnisse, eine versteckte Identität und ein düsterer Vibe, der den gesamten Roman durchzieht. Der Schreibstil von Mara Rutherford ist angenehm flüssig und die Atmosphäre bleibt stets spannend und geheimnisvoll. Besonders gefallen haben mir die Charaktere, vor allem Imogen/Seraphina und Nico. Beide sind intelligent, stark und müssen sich in einer Welt voller Täuschungen und Lügen verstellen – das hat mich emotional sehr angesprochen. Ihre Dynamik und die sich entwickelnde Beziehung zwischen ihnen sind gut ausgearbeitet.
Leider hatten die Nebenfiguren für mich nicht dieselbe Tiefe. Einige blieben zu blass, was schade ist, da das Schloss und die Welt viel Raum für interessantere Charakterinteraktionen geboten hätten. Auch die Umsetzung der zentralen Idee hätte in manchen Aspekten besser durchdacht werden können. Es gab mehrere Logikfehler und Momente, in denen Entwicklungen zu schnell abgehandelt wurden oder einfach nicht so richtig nachvollziehbar waren. Besonders das Ende, das für meinen Geschmack ein wenig zu „Happy-End-mäßig“ ausfiel, hat mich etwas enttäuscht, vor allem nachdem die Geschichte zuvor düstere und spannende Elemente hatte.
Fazit:
Trotz dieser Schwächen konnte mich Schloss der Lügen gut unterhalten. Die düstere Atmosphäre, die geheimen Identitäten und die spannende Beziehung zwischen den beiden Hauptcharakteren haben das Buch für mich lesenswert gemacht. Wer auf Gothic-Elemente, düstere Settings und spannende Wendungen steht, dem kann ich dieses Buch empfehlen – allerdings sollte man sich auf einige kleinere Logiklücken einstellen.