Dieser Band hat sich unbedeutend angefühlt. Das Buch liest sich wie eine Fanfiction von einem Lila-Bard-Fan. Lila kann alles: Meisterdiebin, Meisterpirat, Meistermagier und Sprachgenie. Alle erkennen an, wie grossartig sie ist und es wird alle paar Seiten betont, dass sie «nicht-wie-die-anderen-Frauen» ist. Eine Romanze mit jedem der drei männlichen Hauptcharakteren wäre möglich gewesen.
Mit der Zeit hatte ich das Gefühl, dass Schwab mit Lila eine sehr frauenfeindliche Protagonistin entwickelt hat. Denn Leila denkt ständig, wie viel besser als anderen sie ist und sieht alle weiblichen Eigenschaften als Schwäche. Dabei haben Frauen auch ihre Stärken. Man muss nicht immer alle Konflikte ohne Rücksicht auf Verluste mit Gewalt lösen.
Auch Plot-technisch passiert nicht viel. Im Zentrum steht ein magisches Turnier, bei dem die drei Länder mit je 12 Vertretern im Roten London gegeneinander antreten. Leila und Kell nehmen beide natürlich inkognito teil. Obwohl Leila erst sein wenigen Monaten ihre Magie trainiert, ist sie selbstverständlich gut genug, sich gegen die besten 35 Magier dieser Welt zu behaupten.
Weiter wird ein Freibeuter namens Alucard eingeführt. Bei diesem Namen (DRACULA rückwärts) ging bei mir der Laden runter. Er übernimmt als Charakter dieselbe Rolle wie Prinz Rhy. Er ist ein reicher verwöhnter Schönling, der mit jedem flirtet, der nicht bei Drei auf den Bäumen ist.
Leider wurde hier eine gute Chance verpasst, die Story voranzutreiben und die Charaktere weiter zu entwickeln. Es fühlt sich aber nach Stillstand in diesen beiden Bereichen an. Der Band hätte gut um die Hälfte gekürzt werden können. Denn in den ersten 60% passiert absolut nichts, ausser dass alle sagen, wie toll Leila ist. Als Zusatz-Novelle hätte die Story funktioniert, aber als Teil Zwei einer Trilogie ist das Buch bei mir durchgefallen. Auch der Cliffhanger am Schluss hat nicht geholfen.
Nach wie vor ist Schwabs Schreibstil nichts für mich. Sie schreibt präzise und gut verständlich. Grundsätzlich ist nichts am Stil auszusetzen. Der Rhythmus der Prosa fühlt sich für mich einfach nicht flüssig an.
Empfehlen würde ich das Buch Lesenden, die Leila Bard im ersten Band mochten und sich wünschen, dass sie eine eigene Geschichte bekommt. Ansonsten kann man Vier Farben der Magie auch als abgeschlossenen Einzelband stehen lassen.