Wer hätte gedacht das ein Debüt auf diesem hohen Niveau herausgegeben werden kann.
Ich muss wirklich sagen ich bin beeindruckt.
Essie Chambers hat sich in ihrem Roman “Swift River” keinem leichten Thema zugewandt.
Es ist ein Szenario, über das ich so noch nie nachgedacht habe, das mir aber recht bekannt ist, denn ich selbst bin ja auch ein “Mischling” und von meiner Sorte, halbasiatisch, gab es in den 70ern und 80ern noch nicht so viele in meinem Umfeld. Wenn ich so zurückdenke, waren es tatsächlich nur 3 asiatische Kinder in der ganzen Schule.
Diamond ist ein schwarzes Mischlingskind und ganz alleine in ihrer Kleinstadt und noch dazu wächst sie ohne Vater auf.
Mich interessieren die Romane, die in der aktuellen Zeit und in ganz normalen Kleinstädten in den USA spielen brennend, denn da spielt sich die wirkliche amerikanische Mentalität mit all ihren positiven und auch negativen Seiten ab.
Mein Mann hat immer gesagt New York ist nicht Amerika und es stimmt. Meine Sicht auf die Menschen ist natürlich völlig verfälscht, dadurch dass mein Leben in den USA sich in New York abgespielt hat und das ist eben nicht wirklich repräsentativ.
Um so interessanter ist diese Geschichte.
Geschickt wird die Gegenwart in der Diamond 16 ist und schwer übergewichtig, sich mit dem Alltag am Rand der Armutsgrenze und einer Mutter, die unter Medikamentenabhängigkeit leidet, herumschlägt, mit der Vergangenheit der Familie über Briefe Ihrer Grosstante Clara und Lena verbunden.
Es ist faszinierend mitzuerleben, dass ihre Tante als Ärztin arbeitet und das als einzige Schwarze in ihrer Stadt und man versteht auch wie es dazu gekommen ist, dass Diamond so isoliert aufwächst.
Über die Briefe ergibt sich langsam ein komplettes Bild, das die vielen Verwicklungen erklärt die letztendlich in dem Verschwinden ihres Vaters Rob gipfeln und warum dieser so verzweifelt um einen Platz in der Welt kämpft.
Dieses Buch ist ein Appell an uns alle nie aufzugeben und nicht mit dem Finger auf andere zu zeigen oder eine für uns praktische Begründung für ein für uns vielleicht merkwürdiges Verhalten zu finden, sondern genauer hinzusehen, denn am Ende hat jeder von uns Verletzungen, die uns mehr oder weniger beeinflussen und uns vielleicht gar nicht bewusst sind.
Sprachlich und literarisch sehr zu empfehlen.