In der von mir längst liebgewonnenen Mischung aus persönlichen Erinnerungen, Anekdoten, Gedanken und allgemeingültigen, politischen, philosophischen Betrachtungen widmet sich die Reihe “Leben” von Hanser nun durch Doris Dörrie dem Thema “Wohnen”.
Ihr Essay erzählt mir einerseits ganz viel über den Mensch Doris Dörrie, die Wohnungen, in denen sie gelebt habt, wie ihr räumliches Umfeld sie geprägt hat (zumeist unbewusst), über ihre Reisen, ihre Arbeit und ihr Leben. Allein das, auf ihre zugängliche, fesselnde Art geschrieben, macht “Wohnen” so lesenswert.
Darüber hinaus schaut sie aber auch über ihr persönlich Erlebtes hinaus. Was bedeuten Wohnen, Wohnungsnot, Flucht, Besitz und Verlust desselben für uns? Wie (ungewollt) politisch sind unsere Wohnsituationen und das, was bei uns auf den Teller kommt? Welche Auswirkungen hat eine sich verändernde Esskultur auf unser Erzählen? Wem wird “A Room of One’s Own” zugestanden? Und/oder ist dies an bestimmte Bedingungen geknüpft? Wo finden wir diesen Raum, wenn er uns in den eigenen vier Wänden nicht zugestanden werden kann?
Inspiriert von ihren Aufenthalten in anderen Ländern bringt sie uns zudem das Wohnen in unterschiedlichen Kulturen und geografischen Regionen nah.
Mich haben ihre Betrachtungen ungemein fasziniert, Gedanken ins Rollen gebracht und mich nachhaltig begeistert.