Sarah Lorenz’ autofiktional anmutende Ich-Erzählerin, Elisa, lässt in diesem besonderen Debütroman ihr bisheriges Leben Revue passieren und setzt dabei der Dichterin Mascha Kaléko ein Denkmal.
Zu ihr, Mascha Kaléko, spricht Elisa, während sie rückblickend durch Stationen ihres teils enorm schwierigen Lebens springt. Dass sie davon «heute», mit einer Mischung aus feinem Spott für ihr jüngeres Ich, leichter Melancholie und Trauer, überhaupt berichten kann, ist alles andere als selbstverständlich (Stationen im Heim, auf der Strasse, Drogenmissbrauch, Gewalterfahrungen etc.). Es ist gerade ihr besonderer Ton, der es uns möglich macht, davon zu lesen, ohne zu verzweifeln, ja, im Gegenteil Hoffnung, Ruhe und Gelassenheit aus dem Text zu ziehen.
Ihren Kapiteln setzt Elisa, die sich auf der Zugfahrt von Zürich nach Hamburg (meine ich) befindet, stets ein zum jeweiligen Thema passendes Gedicht von Kaléko voran, auf das sie im Folgenden Bezug nimmt. Sie ordnet die Gedichte in ihre Lebensgeschichte und Erfahrung ein, wobei sie selbst viel Kraft aus der jeweiligen Situation zieht, in der sich Kaléko zum damaligen Zeitpunkt befand, vor welchen Schwierigkeiten die Dichterin selber stand und wie sie diese überwunden hat.
«Die perfekte Mischung aus Poesie und Punk.», schreibt Margarete Stokowski über Lorenz’ Roman. Bei «Punk» habe ich gleich frech, unangepasst, rebellisch assoziiert – das schwingt in Lorenz’ Erzählung durchaus mit, die nüchterne Beschreibung ihrer Vergangenheit räumt jedoch mit jeglichen «romantischen» Vorurteilen auf, die wir möglicherweise über Punks haben.
«Mit dir, da möchte ich im Himmel Kaffee trinken» ist ein vielseitiger, lesenswerter Roman, ein Geschenk, im wortwörtlichen, aber vor allem auch im übertragenen Sinn, durch den ich (der zweite Teil meines Geschenks) auch Mascha Kaléko entdecken durfte.