Mit meinem Buchclub habe ich diesen Monat den sechsten Teil von Joachim Meyerhoffs autofiktionaler/autobiographischer Reihe «Alle Toten fliegen hoch» gelesen - auf die Meinung der anderen war ich sehr gespannt.
Es ist mein erstes Buch des Theaterschauspielers/Autors, daher kann ich nicht abschätzen, ob «Man kann auch in die Höhe fallen» besser oder schlechter als die Vorgänger ist. Ich hatte aber auch keine besonderen Erwartungen an die Geschichte. Scheinbar nähert sich Meyerhoff in diesem Band seiner persönlichen Gegenwart immer mehr an: Er ist nun Mitte/Ende 50, hat einen Schlaganfall hinter sich und ist infolgedessen mit Partnerin und Kind von Wien nach Berlin gezogen. Dort jedoch schlägt die Existenzkrise zu und er flüchtet zu seiner Mutter auf’s norddeutsche Land. Er verbringt im Spätsommer/Herbst gut zehn Wochen bei ihr, während derer er reflektiert, sich sammelt und wiederfindet, Zeit mit seiner 86-jährigen Mutter verbringt und sich dem Schreiben wieder annähert. So viel zur Rahmenhandlung.
Das Buch selbst besteht vor allem aus unabhängig voneinander lesbaren Erzählungen. Diese fügen sich teils in die Rahmenhandlung (zumeist alle Kapitel, die mit «Mutter» beginnen), oft genug aber sind es Anekdoten aus Meyerhoffs Vergangenheit: aus Kindheit/Jugend, seinen Schauspieltagen oder zuletzt aus seinem Leben als Mann in der Krise. Vom Unterhaltungswert sind sie ganz unterschiedlich. Teilweise habe ich sie gern gelesen, teilweise waren sie mir aber zu offen. Denn Meyerhoff scheut sich definitiv nicht, geradezu quälend und selbstzerfleischend genau hinzuschauen. Gerade zu Beginn, als er sich dem Schreiben erst wieder annähert, lässt er uns an diesem Prozess für meinen Geschmack zu detailliert teilhaben. Ich persönlich lese ungern von Ich-Erzählern, die über ihre Schreibkrise schreiben – in der Regel passiert da nämlich nicht viel oder es kommen Absätze dabei heraus, die sich für mich nicht unbedingt in den Rest hineinfügen (so herzig seine mit sieben Jahren geschriebene und hier im Original abgedruckte Geschichte auch sein mag, hätte ich darauf verzichten können). Seine Mutter bleibt währenddessen vor allem eins: seine Mutter, die er weiterhin aus der Perspektive des Kindes betrachtet. Ihr setzt er mit seinem Buch ein Denkmal.
Für mich war es ein durchwachsenes Leseerlebnis. In meinem Buchclub waren die Meinungen ganz verschieden und gingen von absolut begeistert zu abgebrochener Lektüre weit auseinander.