Mich hatte Eine McElroy zu viel aufgrund des Klappentextes sehr an Make You Mine This Christmas von Lizzie Huxley-Jones erinnert. Tatsächlich sind sich die beiden Bücher in ihrem Plot sehr ähnlich. Es gibt aber auch Unterschiede, insbesondere bezüglich der gesellschaftlichen Themen, derer sich die Bücher jeweils annehmen. Und während Make You Mine This Christmas zu einem meiner Jahreshighlights 2023 wurde, konnte mich Eine McElroy zu viel nicht so richtig überzeugen.
Gut gelungen ist in meinen Augen die Auseinandersetzung mit Rassismus und Queerfeindlichkeit, der Fiona und Lizzie begegnen.
Fiona hat chinesische und malayische Eltern. Als sie Michaels Großmutter zum ersten Mal begegnet, äußert sich diese Fiona gegenüber rassistisch. Es war toll dargestellt, wie Fiona sich danach sehnt, dass Michael seiner Rolle als Ally gerecht wird und stattdessen von seiner Reaktion enttäuscht wird. Unterstützung erhält Fiona stattdessen von Lizzie. Auch der Nachgang und die widersprüchlichen Gefühle Fionas waren herzergreifend dargestellt.
Lizzie hatte sich ihrer Familie gegenüber noch nicht als lesbisch geoutet. Als sie das tut, kommt es zu queerfeindlichen Kommentaren, wieder von Oma McElroy.
An diesen beiden Szenen mit der Großmutter entwickeln sich Diskussionen darum, inwiefern auch von älteren Menschen erwartet werden kann, dass sie diskriminierende Ansichten überdenken und sich damit auseinandersetzen. Ich habe dazu eine feste Meinung (auch beeinflusst durch meine Oma, die dazu immer bereit war) und in der Familie McElroy zeigt sich bei der Diskussion ein Riss entlang der Generationen.
Darüber hinaus ging mir aber vieles in diesem Buch einfach zu schnell. Es ist mit 212 Seiten nicht besonders lang und hätte in meinen Augen durchaus ein paar Seiten mehr vertragen. Nun entspricht es ja durchaus einem Klischee über Lesben, dass innerhalb kürzerster Zeit Beziehungen zustande kommen. Aber hier sprechen wir von einem Wochenende und auch wenn am Ende kein „Happy End für immer“ steht, hätte doch etwas mehr in die Entwicklung der Beziehung gesteckt werden können.
Das gesamte Buch ist aus der Sicht von Fiona erzählt. Angesichts dessen erfahren wir aber nur sehr wenig über sie und ihr Leben. Das fand ich schade, denn so richtig warm wurde ich dadurch mit Fiona nicht.
Eine McElroy zu viel ist in meinen Augen ein Buch, das wichtige gesellschaftliche Themen aufgreift und das auch gut macht. Darüber hinaus hätte dieses Buch aber einige Seiten mehr gebraucht, um mir Fiona und die sich entwickelnde Beziehung zu Lizzie nahe zu bringen.
Es ist insgesamt eine ganz süße Geschichte mit einem weihnachtlichen Einschlag. Für mich war es aber eine Geschichte, die mich nicht mitreißen konnte.