Der Titel von “The Last Bookstore on Earth” ist wohl DAS Horror-Szenario von uns Leseratten, Bücherwürmern, Büchersüchtigen …
Lily Braun-Arnold erzählt die Geschichte der 17-jährigen Liz, die nach einem katastrophalen Sturm in den Ruinen einer alten Buchhandlung in New Jersey Zuflucht gefunden hat. Dort bietet sie einen provisorischen Nachrichtendienst an und versucht, mit kleinen Tauschgeschäften über die Runden zu kommen. Die Buchhandlung ist für sie mehr als ein Ort – sie ist ihr sicherer Hafen.
Doch ihre stille Routine wird durch die Ankunft von Maeve durchbrochen. Diese ist taff, pragmatischen, voller Tatendrang und will den maroden Buchladen sichern. Zwischen den beiden unterschiedlichen Frauen entwickelt sich eine Liebesgeschichte. Maeve bringt frischen Wind in Liz’ Leben, fordert sie heraus, ihre Komfortzone zu verlassen, und konfrontiert sie mit der Realität. Der nächste Sturm steht nämlich bevor und so werden die Begegnungen mit anderen, verzweifelten Menschen gefährlicher.
Die Erzählweise von Lily Braun-Arnold ist ruhig und atmosphärisch dicht. Das Buch wird als «Cozy Dystopia« bezeichnet, was wirklich sehr gut passt. Das dystopische Setting entfaltet sich nämlich langsam, ohne gleich in actionreiche Überlebensszenarien abzugleiten.
Beide Protagonistinnen haben ihr Päckchen zu tragen, Während wir in Rückblenden nach und nach erfahren, warum Liz alleine im Buchladen lebt, erfahren wir auch von Maeves dunklem Geheimnis. Ich muss aber zugeben, dass mir weder Liz noch Maeve wirklich ans Herz gewachsen sind. Beide bleiben mir zu distanziert und oft konnte ich ihr Denken und Handeln nicht wirklich nachvollziehen.
Obwohl die Grundidee, eine Buchhandlung als Herzstück einer Dystopie zu wählen, sehr originell ist und das Cover sofort neugierig macht, kratzt die Autorin mit ihrer Geschichte nur an der Oberfläche. Das Potential des spannenden Szenarios und ihrer interessanten Figuren schöpft sie leider nicht aus. Vielleicht hat sie versucht, zu viele wichtige Themen unterzubringen - von Klimakatastrophen über Trauma bis hin zur sexuellen Identität wird einiges angeschnitten.
Fazit:
“The Last Bookstore on Earth” ist ein stimmungsvoller, ruhiger Roman mit dystopischem Flair und einem Hauch Romantik. Für alle, die sich eine sanfte, fast cozy Einführung ins Genre wünschen, bietet das Buch eine interessante Perspektive. Wer jedoch nach actionreicher Spannung oder tiefgreifender Charakterentwicklung sucht, wird hier vielleicht nicht ganz fündig. (3.5 Sterne)