Inhalt: Die Mutter dement zu Hause, der Sohn als Scharfschütze im Krieg. Dort zelebriert er sein mörderisches Handwerk und stärkt damit sein Selbstwertgefühl. Ein bezeichnendes Zitat: «Ich hauche ihnen Leben ein, indem ich sie ansehe, ich mache sie lebendig, indem ich sie töte.» Dabei schreckt er nicht einmal davor zurück, Kameraden zu erschießen, die ihm lästig werden.
Während der Protagonist seinem blutigen Handwerk nachgeht, sorgt sich zu Hause die knapp 15-jährige Myrna um seine psychisch kranke Mutter. Obwohl um die Liegenschaft Bomben einschlagen, verrichtet die junge Frau ihre Aufgaben mit erstaunlicher Ruhe und Souveränität.
Meine Gedanken: Im Krieg ist es unumgänglich, das tödliche Handwerk professionell zu beherrschen, um nicht selbst zum Opfer zu werden. Dass Menschen unter extremem psychischem und physischem Druck zu Bestien werden können, ist nachvollziehbar – ein düsteres, aber realistisches Bild des Krieges. Was mir jedoch schwer im Magen liegt, ist die Art und Weise, wie der Autor das Töten inszeniert – oder sollte ich sagen, zelebriert?
Für mich bleibt die Frage, wie sich der Mensch mit dieser Gewalt in einem moralischen Kontext überhaupt versöhnen kann. Das Buch hinterlässt bei mir ein Gefühl der Beklemmung – und das, obwohl ich mich nicht als besonders sensibel einschätze.
Empfehlung: Dieses Buch wurde mir an einem Stammtisch von Orell Füssli empfohlen und erhält bis heute gute bis sehr gute Rezensionen. Ich kann mich dem überhaupt nicht anschließen und habe den Roman nach 100 Seiten zur Seite gelegt.