Sprachlich erste Sahne, kurz, knapp, treffend, pointiert, mal Deutsch als Fremdspache, mal als jugendlich, reduzierendes Deutsch trifft es den Nagel nicht nur auf den Kopf sondern vorallem an der Wurzel.
Aus der Sicht einer Jugendlichen wird das Thema Demenz mit Leichtigkeit und positiver Ausstrahlung dargestellt und die Beziehungen zwischen den Charakteren so einfühlsam geschildert, dass der Roman einen immer weiter zieht. Dabei werden ernste Themen wie Demenz, familiärer Streit, alleinerziehende Mütter, der Kosmos pubertierender Jugendlicher, Suizidgedanken und häusliche Pflege angesprochen. Und über allem dieser positive Erzählstil.
Alles dreht sich um Hubert, dem dementen Nachbarn im Mehrfamilienhaus in dem unsere Protagonistin Linda lebt, der von wechselnden polnischen Pflegekräften umsorgt wird. Linda geht sehr fürsorglich mit Hubert um und versteht den alten Mann mehr als dessen Tochter. Wenn Hubert mal wieder mehr er selbst ist, bringt er Wahrheiten heraus, die richtig witzig und punktgenau formuliert sind. Linda greift dies auf und formuliert ähnlich scharfzüngig und gut beobachtet Ihre Umwelt. Dies ist trotz des traurigen Themas sehr erfrischend und voller Ironie.
Ein sehr wohltuendes Buch mit viel Spirit!
Hier noch ein philosophischer Gedanke zum Nachdenken aus diesem Buch:
„Wir gleichzeitig Lebenden sind füreinander von geheimnisvoller Bedeutung.“
In diesem Sinne!