Von den Residential Schools in Kanada, in die die Kinder der indigenen Bevölkerung gezwungen wurden, hatte ich zwar schon mehrfach gehört und auch darüber gelesen, aber es erschüttert doch jedesmal aufs neue.
Diese Kinder, der eigenen Familie, Kultur und Identität beraubt, mussten unendliches Leid ertragen und fanden danach oft keinen Platz mehr in der kanadischen Gesellschaft. Richard Wagamese erzählt hier vom Schicksal eines dieser Kinder, Saul, ein junger Ojibwe, wie der Autor selbst, seinem Weg zurück zur eigenen Identität und seinem schmerzhaften Erinnerungs- und Heilungsprozess. Er beschreibt diesen Weg auf eine sehr eindrückliche Weise und in einer ungewöhnlich bildstarken Sprache. Auch wie Saul, selbst das Eishockeyspiel, das für ihn eine Zeitlang Zuflucht und Trost war, von den Weissen genommen wurde: “Aber sie liessen mich nicht bloss Hockeyspieler sein. Ich musste immer Indianer bleiben.”
Das Buch macht sehr betroffen, aber ich kann es trotzdem oder gerade deswegen, von ganzem Herzen empfehlen! Auch das Nachwort von Katja Sarkowsky ist lesenswert und gibt zusätzliche Einblicke.