Rebecca Yarros nimmt uns mit «Onyx Storm» zum dritten Mal mit in ihr Drachenuniversum. Die ursprünglich als Trilogie geplante Reihe ist in der Zwischenzeit auf fünf Bände ausgeweitet worden und das merkt man «Onyx Storm» leider an. Es gibt zu viel Leerlauf, Ereignisse, die nicht zur eigentlichen Handlung beitragen, vorhersehbare Situationen sowie Wiederholungen des immer selben. An einigen Stellen hatte ich den Eindruck, Yarros habe mit einem Setzkasten gearbeitet: Hier bräuchte ich jetzt etwas Action, hier etwas Spice …
Die Figuren entwickeln sich kaum bis gar nicht weiter. Es wäre eine prima Gelegenheit für Yarros gewesen, uns hier durch Perspektivwechsel die Sichtweisen anderer Figuren als die der Ich-Erzählerin Violet zu präsentieren. Zudem werden die meisten Figuren überwiegend nur dazu genutzt, um Violet interessant zu machen (als Objekt der Begierde, damit sie sich körperlich beweisen und ihre Cleverness hervorheben kann). So verleidete mir auch Violet zunehmend, was ich enorm schade finde.
Wir lernen zwar neue Ecken von Yarros’ Welt kennen, doch die Beschreibungen fand ich zu wenig prägnant und zu oberflächlich, als dass ich hinterher hätte sagen können, wie welche Landschaft aussah, wo welche Menschen lebten und wie die Gegend hiess – und so schlecht ist es um mein Kurzzeitgedächtnis jetzt auch noch nicht bestellt.
Was die allgemeine Verwirrung noch grösser macht ist, dass Yarros mal die Vor-, dann die Nachnamen verwendet, teils mischt sie in Auflistungen der Anwesenden die Namen von Menschen und Drachen/Greifen und Unterhaltungen werden gerne durch Einschübe unterbrochen, was die Wiederaufnahme des Fadens erschwert.
Meine Tochter sagt, ich zerdenke das Buch zu sehr, man müsse sich einfach darauf einlassen, treiben lassen und sie hat insofern recht, als dass das Buch recht schnell gelesen ist. (Vielleicht gehöre ich aber auch einfach nicht mehr zur Zielgruppe – mit den Kraftausdrücken und dem oftmals hormongesteuerten Verhalten der Figuren kann ich jedenfalls immer weniger anfangen; vom fragwürdigen «Ich bin dein/Du bist mein»-Beziehungsmuster von Violet und Xaden ganz zu schweigen.)
Yarros hat bewusst auf Wiederholungskapitel am Anfang verzichtet. Die wären zwar hilfreich gewesen, aber es wäre ein Bruch in der Illusion, wir hätten es hier mit einer Chronik zu tun. Jedem Kapitel fügt sie Auszüge aus wiedererlangten Briefen oder sonstigen Dokumenten an und es liest sich im Ganzen wie etwas, das die Schriftgelehrten Navarres anfertigen. Das fand ich recht cool.
Besser gefallen hat mir wiederum der Schluss: dort stimmte die Spannung, die Handlung wurde endlich vorangetrieben, dort gab es erstmals Perspektivwechsel. Sie endet diesen Teil natürlich mit neuen Rätseln und die diversen Kämpfe sind noch nicht entschieden, sodass durchaus Neugier auf den vierten Teil aufkommt. Ob ich den dann selber lese oder mir den Inhalt zusammenfassen lasse, wird sich noch zeigen.