Sommer 2006, Chris ist 15 Jahre jung, Fussballtalent, mitten in seiner Jugend, mit vielen Selbstzweifeln und Sorgen rund ums Erwachsen werden konfrontiert und dem Wunsch, auch endlich von einem Mädchen geküsst zu werden. Die heißen Sommertage und lauen Sommerabende verbringt Christ mit seinen Freunden im Freibad, auf einer Party oder dem Hoffest seiner Eltern (die Geschichte spielt über drei Tage) und plötzlich knutschend im Kino mit Debbie, seinem Schwarm. Ist dieses Gefühl nun Liebe, sind die beiden nun ein Paar, ist man nach dem ersten Kuss automatisch erwachsen und ist nach diesen fulminanten Glücksgefühlen überhaupt irgendwann Liebeskummer möglich?
Fazit:
Christoph Kramer schreibt in seinem Debüt (s)eine Autofiktion. Wer nun mit einem großen Ego im Sinne von mein Haus, mein Auto, mein Mädchen rechnet, wird eines besseren belehrt. Der Weltmeister von 2014 gibt tiefe Einblicke ins Seelenleben seines Protagonisten Chris. Selbstzweifel, die Angst nicht zu genügen und nicht gut genug auszusehen begleiten ihn ins Erwachsen werden. All diese vermeintlichen Schwächen zeigen das wahre Ich dieser Person, nämlich einen empathischen, sensiblen und liebenswürdigen jungen Mann, der mit beiden Beinen im Leben steht und den ich sofort in mein Herz geschlossen habe. Schön ist, dass am Schluss in kurzen Kapiteln erzählt wird, wie Chris erwachsen geoworden ist und es schlussendlich auch mit der Liebe geklappt hat. Das Buch fühlte sich wie ein lauer Sommerabend an, stimmungsvoll mit einer Prise Melancholie rückblickend auf die eigene Jugendzeit in den 90er und 2000er Jahren. Der Schreibstil ist so bildhaft, dass ich mich mitten im Geschehen gefühlt habe. Einziger Kritikpunkt für mein Befinden ist der in die Geschichte integrierter nächtlicher Roadtrip, der meiner Meinung nach nicht zum Charakter des Protagonisten gepasst hat.
Großartiger Debütroman, bitte mehr davon!