Ein älteres Buch, welches schon etwas länger bei mir auf dem SuB wartet, aber nun endlich gelesen wurde. Angesprochen hat es mich damals direkt. Vom Verlag habe ich schon viele gute Bücher gelesen, die meistens genau meinen Interessen entsprechen.
Das Buch selbst bleibt auf der (sehr) lockeren Seite und ist so ein guter Einstieg für Leute, die nicht allzu viel Ahnung von Nordischer Mythologie haben, aber eindeutig nicht für solche, die schon etwas mehr Erfahrung damit haben. Man taucht gar nicht tief ein und reist auch in keine weiteren der neun Welten und alles, was auch nur leicht komplexer sein könnte wird schnell erklärt. Das Buch ist so nur eine wirklich nette und einfach lesbare Geschichte für Zwischendurch, um einfach den Kopf auszuschalten. Ich fand es schade, dass das eigentliche Hauptthema kaum thematisiert wird, obwohl die nordische Mythologie so viele Dinge mehr zu bieten hat, als ein kurzes Auftauchen von Thor. Dies fühlte sich beinahe erzwungen an.
Womit ich aber überhaupt nicht warm wurde, war Skye. Skye hat diese wirklich unangenehme «I’m not like other girls»-Haltung, die sie extrem oberflächlich und nervig wirken lässt. Ich habe mich mehr als einmal gefragt, warum Will überhaupt mit ihr befreundet ist, wenn sie auf alles, was ihr nicht in den Kram passt (inklusive seiner eigenen Interessen), nur herabblicken kann.
Als Beispiel: Sein Hobby ist Schlagzeug spielen und er bekommt eine tolle Chance in einer Band und auch wenn einem die Musik persönlich nicht gefällt, ist das noch lange kein Grund das Hobby des besten Freundes immer nur als Krach zu bezeichnen und absolut klar zu machen, dass diese Unterstützung die sie ihm bietet und das Mitkommen zu diesem Club für sie nur eine Last ist in diesem Falle.
Oder auch der Fall mit ihren Burgern: Sie nervt sich tierisch ab all den Leuten im Restaurant, denn sie allein hat ja das Recht dazu ihre Burger dort in Ruhe zu essen, weil sie ihr eben nur dort schmecken und alle anderen Imbisse dafür sind nicht ihrem Standard entsprechend, also muss sie Arme sich wohl leider weiter über die anderen nerven. Was für Probleme. Da fehlt mir eindeutig etwas Reife in der Figur, denn so ist sie nicht besser, als alle die Mädchen, die sie selbst nur als oberflächlich einstuft, weil sie eben Make-Up tragen.
Gleichzeitig ist sie auch plötzlich die erste, die sich komplett verdrehen will und sich wie die «Ach so dummen» verliebten Teenagermädchen benimmt, als sie von Evans Texten hört und ihn nun doch näher kennenlernen möchte und doch weiterhin so tut, als sei Evan eine absolute Abscheulichkeit. Dadurch wirkt auch der Rest der Beziehung der beiden für mich nicht wirklich überzeugend, denn dieses Hin- und Her zwischen Gereiztheit und Anziehung soll zwar wohl für etwas Spannung in der Geschichte sorgen, ist aber leider nach hinten losgegangen und lässt das Ganze sehr unecht wirken.
Skye hat damit durch die gesamte Geschichte hindurch für den grössten Punkteabzug gesorgt. Interessante Grundlagen wären für die Figur ja eindeutig da, aber ihr Umgang mit anderen Personen und Dingen, die ihr nicht gefallen, lässt sie leider mehr wie eine hochnäsige Zicke, als ein liebenswerter und zurückgezogener Nerd aussehen (Ein wesentlich besseres Beispiel für eine liebenswerte Nerdfigur wäre Jade aus «Engelsstaub» von Anne-Marie Jungwirth). Soll sie doch klassische Musik lieben und gerne lernen, das ist auch überhaupt nicht das Problem, aber es macht sie noch lange nicht zu einer besseren Person, als andere, auch wenn sie genau das denkt.
Der Rest ist aber relativ gut. Wie gesagt, auf der sehr lockereren Seite angelegt und dadurch angenehm zu lesen sowie mit einem zufriedenstellenden Ende. Und auch die anderen Figuren sind wesentlich besser und angenehmer im Umgang als Skye. Könnte man noch die Protagonistin austauschen und wäre auch mehr auf das zentrale Thema der nordischen Mythologie eingegangen, wäre die Geschichte wirklich gut gelungen, aber so reicht es leider nur für drei Sterne.