Suki ist wütend. Jeden Tag sieht sie sich mit Rassismus und Fremdenhass konfrontiert, während ihre Zwillingsschwester Yoona sich lieber auf ihre Karriere als Influencerin konzentriert. Nach einem besonders schmerzhaften Vorfall bekommt Suki die Chance, zu ihren Großeltern nach Korea zu reisen, um dort zur Ruhe zu kommen. Doch die ersehnte Auszeit bleibt aus – denn Yoona hat andere Pläne. Sie überredet Suki, ihren Platz als TikTok-Star einzunehmen, um an einer berühmten Show teilzunehmen.
Die Wut, die Suki durch das gesamte Buch begleitet, hat mich tief bewegt und schockiert zurückgelassen. Es war schmerzhaft zu lesen, welchen Anfeindungen sie ausgesetzt ist – und doch konnte ich ihre Gefühle gut nachvollziehen. Thea Hong beschreibt Sukis Identitätskonflikte so eindringlich, dass ich mehrmals innehalten musste.
Yoona, die jüngere der beiden Schwestern, geht mit ihrer Realität ganz anders um – naiver, vielleicht auch pragmatischer. Auch sie ist wunderbar gezeichnet, und ich habe mit den Schwestern mitgelitten und mitgefiebert.
Was dieses Buch besonders macht, ist die gelungene Balance zwischen Gesellschaftskritik und einer warmherzigen, cozy Geschichte. Wir tauchen tief in die koreanische Kultur ein, lernen Traditionen, Essen und Alltagsgewohnheiten kennen. Ich liebe es, mehr über andere Länder zu erfahren, und besonders schön fand ich das Glossar am Ende, das wichtige Begriffe erklärt.
Ein kleiner Wermutstropfen sind einige kleinere Fehler im Text. Zudem gibt es viele Jugendwörter – für die jugendliche Zielgruppe passend, aber nicht für jede*n sofort verständlich. Zum Glück habe ich eine 16-jährige Tochter, sonst hätte ich Begriffe wie delulu erst googeln müssen.
Insgesamt ist Seoulicious ein wichtiges Buch. Ein Own Voices-Roman, der eindrucksvoll zeigt, wie sehr Rassismus das Leben prägen kann und wie schwer es ist, die eigene Identität zu finden. Gleichzeitig ist es aber auch eine herzerwärmende Wohlfühlgeschichte, die uns Korea näherbringt. Eine klare Leseempfehlung!