Das trifft aus meiner Sicht sowohl auf die Hauptprotagonistin Baba Dunja als auch auf die Erzählung zu.
Baba Dunja ist eine schrullige alte Frau, die nach dem Reaktorunglück von Tschernobyl bald in “ihr” Dorf zurückgekehrt ist. Wenige weitere Männer und Frauen gesellen sich dazu, in die verstrahlte Gegend, die eigentlich Sperrzone ist und in welche sich jahrelang Besucher (Biologen …) nur in Schutzanzügen wagen.
Baba Dunja ist die Ich-Erzählerin. Man erfährt von ihrem Leben “vor dem Reaktor” und “nach dem Reaktor”. Sie redet nie von Unglück, Katastrophe etc., sondern nur vom Reaktor. Ihren Garten pflegt sie, scheint die Ruhe, die Abgeschiedenheit und auch das Alleinsein gerne zu mögen. Die Bewohner haben ihre ganz eigene Gesellschaft geschaffen, in der Baba Dunja als Anführerin betrachtet wird, von allen ausgenommen von ihr selbst. Mit ihrer in Deutschland lebenden Tochter hat sie nur brieflich Kontakt, der Sohn schreibt immer zu Weihnachten eine Karte. Von ihrem verstorbenen Mann erzählt sie nicht viel, er erscheint aber noch, wie auch andere Tote. Ein Ereignis bringt die Ruhe und Ordnung in dem kleinen Dorf aus dem Gleichgewicht. Ob es gelingt, das wieder zu richten. Und wer oder was ist Baba Dunjas letzte Liebe. Es hat in all der Ruhe auch eine gewisse Spannung.
Die Geschichte entführt einen in eine Art Parallelwelt, Baba Dunja gewinnt einen vom ersten Satz an und bei der ganzen fast märchenhaften Erzählung schwingen auch die dunklen Ereignis um diese Katastrophe mit.
Das Buch ist angenehm, leicht und flüssig zu lesen.
In der Nacht weckt mich wieder Marjas Hahn Konstantin. Für Marja ist er eine Art Ersatzmann. Sie hat ihn grossgezogen und schon als Küken gehätschelt und verwöhnt; jetzt ist er ausgewachsen und zu nichts zu gebrauchen. Stolziert herrisch über ihren Hof und schielt zu mir rüber. Seine innere Uhr ist durcheinander, schon immer gewesen, aber ich glaube nicht, dass es mit der Strahlung zu tun hat. Man kann sie nicht für alles, was blöd zur Welt kommt, verantwortlich machen.