Die US-Amerikanerin Casey Means ist HNO-Ärztin, die sich irgendwann jedoch für die grösseren Zusammenhänge der zunehmenden Zivilisationskrankheiten zu interessieren und unsere Ernährung, Lebensweise und die Art, wie wir Krankheiten behandeln, zu hinterfragen begann.
Ihr Ziel: Dass wir alle die nötigen Informationen erhalten, um ein gesundes Leben führen zu können. Ihre drei Eckpfeiler sind dabei gesunde Ernährung, ausreichend Bewegung und das Reduzieren von Stress. Klingt nicht besonders bahnbrechend? Stimmt, aber irgendwie scheitern wir ja doch oft dran :-)
Fachwissen: Schätzungsweise ⅔ von «Good Energy» bestehen aus theoretischen Grundlagen zu unserer körpereigenen Energiegewinnung und welche Aspekte unseres modernen Lebens diese stören können. Means geht dabei stark ins Detail, was faszinierend ist, wegen der vielen Fachbegriffe aber auch etwas Durchhaltevermögen bei der Lektüre voraussetzt. Gleiches gilt für die von ihr angeführten Statistiken, auf die ich persönlich allein wegen der schieren Menge hätte verzichten mögen, da ich sie a) irgendwann nicht mehr aufnehmen kann und sie mir b) konkret nicht verraten, was ich denn nun ändern sollte.
Ich vermute, dass es das deutsche Lektorat und/oder der Übersetzer, Bernhard Ubbenhorst, war, das/der die US-Statistiken mit Zahlen aus Deutschland/Europa ergänzt haben. Lustig fand ich, dass in der Übersetzung Pinienkerne weiter als günstig bezeichnet wurden. Scheinbar sind sie es in den USA, aber meiner Erfahrung nach sind sie in der Schweiz doch eher etwas teurer.
Lob: Toll finde ich, dass Casey Means detailliert und aus verschiedenen Blickwinkeln auf die drei Eckpfeiler eines gesunden Lebens eingeht, sich um eine ganzheitliche Perspektive und praktisch umsetzbare Tipps bemüht. Dazu gehören auch ein Vier-Wochen-Plan, diverse Rezepte und genaue Angaben zu den in jährlichen Untersuchungen erhobenen Blutwerten und wie diese zu interpretieren sind.
Sie stellt uns sogar Formulierungshilfen für unsere nächsten Arztbesuche zur Verfügung, damit wir argumentieren können, warum wir gerne bestimmte Werte ermittelt hätten.
E-Book oder physisches Buch: Wegen der vielen Informationen, lohnt es sich, im Buch Notizen zu machen und das ein oder andere Post-It einzukleben, damit wir die für uns persönlich wichtigen Stellen wiederfinden. Ich selber habe das e-Book gelesen, würde aber das physische Buch bevorzugen, auch weil sich dort leichter nachschlagen lässt.
Kritik: Mühe hatte ich mit ihrem dogmatischen Tonfall – um uns wachzurütteln und zum Umdenken zu bewegen, zeichnet sie ein Schwarz-Weisses-Bild und schürt Angst (was bei mir persönlich zu etwas mehr Stress führt). Auch entsteht so der Eindruck, dass wir im Endeffekt immer selber schuld sind, wenn wir krank werden oder zunehmen. Die von ihr bevorzugte Lebensweise beinhaltet, dass wir bewusste Entscheidungen treffen (was esse ich? Wie bewege ich mich? Welche Produkte kaufe ich? Wie lebe ich?) – das führt einerseits zu Selbstermächtigung, ist aber sowohl zeit- als auch kostenintensiv und beinhaltet auf Ernährungsebene eine radikale Abkehr von Zucker und Getreide jeglicher Art. Dazu merkt sie lediglich an, dass wir uns entscheiden müssen, ob wir den Preis für unsere Gesundheit vorab durch Prävention oder nachher durch ärztliche Behandlungen und Medikamente zahlen wollen. Auch ihr Faible für Fitnesstracker ist nichts für mich persönlich, aber da ticken wir ja glücklicherweise alle anders.
Fazit: Für mich hätte es gerne mehr Praxis, weniger Statistiken und ein positiver Grundton sein dürfen. Casey Means’ ganzheitlichen Ansatz finde ich gut, ihre Einblicke ins Gesundheitswesen und den menschlichen Körper, ebenso ihre vielfältigen praktischen Vorschläge. Und aus denen bastel ich mir nun das, was für mich stimmt. Wer «Good Energy» als Anregung und nicht als starren Leitfaden betrachten kann, findet hier sicherlich Hebel, um die eigene Lebensqualität zu erhöhen – auch in einem machbaren finanziellen und zeitlichen Rahmen.