Dieser Titel ist eine schmerzhaft treffende Überschrift zu Beale Street Blues (Originaltitel “If Beale Street Could Talk”) von James Baldwin. Der Autor war mir bis vor kurzer Zeit und bis zur Lektüre von “Giovannis Zimmer” noch kein Begriff, doch zum Glück wurden seine Werke nun in den letzten Jahren neu übersetzt und neu aufgelegt.
Beale Street Blues ist ebenfalls der Titel eines Songs von W. C. Handy aus dem Jahr 1916, vielfach interpretiert, unter anderem auch von Ella Fitzgerald oder Nat King Cole. Die Strasse mit diesem Namen liegt eigentlich in Memphis, doch sie ist hier der Inbegriff des Blues und Sinnbild für jedes Schwarzenviertel einer beliebigen amerikanischen Stadt und, wie Baldwin in seinem kurzen Vorwort sagt, trägt jeder in Amerika geborene Schwarze unweigerlich das Erbe einer ‘Beale Street’ in sich.
Ich habe die gebundene Ausgabe von 2018 gelesen, mit dem schönen Cover des Hörbuchs.
Das ist kurz gefasst die Ausgangslage: Tish und Fonny, 19 und 22 Jahre alt, leben im Harlem der siebziger Jahre. Sie kennen sich schon von klein auf, verlieben sich, möchten heiraten und suchen allen Widrigkeiten zum trotz ihren Weg zum Glück. Doch dann wird Fonny aufgrund einer falschen Beschuldigung verhaftet und kommt ins Gefängnis.
Die Geschichte wird aus der Sicht von Tish erzählt. Die langsame Entwicklung der Liebesgeschichte erfahren wir dabei in Rückblenden, während der Kampf um die Befreiung von Fonny tobt und die Familie von Tish und der Vater von Fonny Himmel und Hölle dafür in Bewegung setzen. Denn Tish ist auch schwanger und auf das ungeborene Leben konzentriert sich nun die ganze Hoffnung in der verzweifelten Situation. Dabei spürt man auch die Liebe der Familie, in der eine ungeheure Kraft liegt.
Neben Liebe und Hoffnung zeichnet Baldwin zudem ein vielschichtiges Bild der zerstörerischen Mechanismen von Rassismus, die sich auf allen Ebenen auswirken, sowohl innerhalb der diskriminierten Gemeinschaften als auch ausserhalb. Sie korrumpieren somit die gesamte Gesellschaft und hindern sie daran, wirklich menschlich zu werden.
Die Sprache wechselt dabei zwischen grausam derb und liebevoll zärtlich, passt jedoch zu jedem Zeitpunkt haargenau, auch wenn es manchmal abstossend wirken mag.
Die Geschichte ist herzergreifend und immer noch sehr aktuell. Sie erzählt authentisch und ohne zu verurteilen. Die Hoffnung, die Liebe und der Respekt vor dem Leben bleiben trotz menschlicher Grausamkeiten stets greifbar und das macht es für mich zu einem Buch, das ich unbedingt empfehle und dem ich gerne fünf Herzen gebe.