In letzter Zeit habe ich wieder häufiger zu historischen Romanen gegriffen und weil es mir viel Freude bereitet, in historische Lebenswelten und Ereignisse einzutauchen, war ich gespannt auf Ein Morgen in Paris. Hinzu kommt ein Cover, das wohl mit Fug und Recht als wunderschön bezeichnet werden kann. Letztlich war es aber eine enttäuschende Lektüre für mich.
Es gibt Bücher, die würden davon profitieren, dass sie eingekürzt werden. Ein Morgen in Paris zählt nicht dazu. Im Gegenteil: diesem Buch hätte es nicht geschadet, mehr als 275 Seiten zu haben. Denn es werden viele Themen angerissen, viele Personen und Probleme eingeführt und dann innerhalb kürzester Zeit wieder „aus der Geschichte geschmissen“. Nur ein Beispiel: es gibt eine kurze, queere Liaison und ich hatte mich schon darauf gefreut, mehr über die Geschichte der Rechte von queeren Menschen in Frankreich zu erfahren. Das war aber so schnell wieder vorbei, wie es angefangen hatte und wird danach noch mit zwei Sätzen erwähnt. Spoiler: letztlich spielen queere Menschen in diesem Buch keine Rolle.
Wenn Probleme aufgeworfen werden, macht Maybach es sich zudem sehr leicht mit der Lösung. Dreimal (!) sterben Menschen und machen den Weg frei für das gewünschte Ende des Buches. Zweimal ziehen sich Menschen, die ein Problem für Fleur hätten werden können, einfach zurück – ohne Theater, ohne Groll oder böse Worte.
Das zusammengenommen machte Ein Morgen in Paris zu einem Buch mit wirklich gutem Potenzial, das sich leider in der Geschichte nicht niederschlug. Vieles ist sehr kurz gefasst und dazu zählen auch die Hauptpersonen. So kam bei mir keine Spannung auf, obwohl 1939 eine spannungsgeladene Zeit war, gerade für Juden wie Maurice. Durch die vielen „Zufälle“, die Fleur und Maurice den Weg ebneten, merkt man sehr schnell, dass dieses Buch ein Happy End haben wird – um jeden Preis.