Laura Purcells “Die stillen Gefährten” verspricht eine Reise in die viktorianische Zeit und hält dieses Versprechen meiner Meinung nach in Teilen auch ein. Das düstere Herrenhaus, die geheimnisvollen Holzfiguren und die ungeklärte Vergangenheit des Anwesens schaffen eine beklemmende Atmosphäre, die mich anfangs in den Bann gezogen hat.
Die Spannung wird im ersten Teil gut aufgebaut, die zahlreichen Wendungen hielten meine Neugierde aufrecht. Doch leider lässt es für mich ab ca. der Hälfte nach und verliert so sein Potenzial.
Die Protagonisten wirken stellenweise etwas oberflächlich und vorhersehbar. Die Nebenfiguren bleiben blass und tragen wenig zur Entwicklung der Handlung bei. Die Geschichte wechselt zwischen verschiedenen Zeitebenen, was zwar für Abwechslung sorgt, aber mir manchmal nicht klar war warum. Die Verbindung zwischen den einzelnen Handlungssträngen ist nicht immer eindeutig, und einige Aspekte bleiben ungeklärt.
“Die stillen Gefährten” ist ein unterhaltsamer Roman. Wer Geschichten über verlassene Häuser und mysteriöse Ereignisse mag, wird sicherlich einige spannende Lesestunden mit diesem Buch verbringen. Für mich war die Düsterheit jedoch nicht so greifbar, wie ich mir anfangs vorgestellt habe.