Einleitung: Arezu Weitholz, geboren 1968, ist eine deutsche Journalistin und Autorin. Neben ihrer literarischen Tätigkeit arbeitet sie auch als Lektorin für Herbert Grönemeyer, Udo Lindenberg und die Toten Hosen – ein weniger bekannter Aspekt ihrer vielseitigen Karriere.
Inhalt: Frieda, eine Synchronsprecherin, verliert ihre Stimme und damit vorübergehend auch ihre berufliche Perspektive. Um Abstand vom Alltag zu gewinnen, nimmt sie auf Vermittlung ihres Freundes Jonas einen ungewöhnlichen Job an: Über die Weihnachts- und Neujahrszeit soll sie ein leerstehendes Hotel an der Algarve bewachen, um es vor möglichen Einbrüchen oder Besetzungen zu schützen. Begleitet wird sie von einem schwarzen Labrador namens Otto. Abgesehen von gelegentlichen Besuchen eines Hausmeisters und einiger Handwerker bleibt Frieda allein mit dem heruntergekommenen Hotel, dessen renovierungsbedürftiger Zustand jedoch kaum Arbeit erfordert. Ihre Tage bestehen aus Zimmerlüften, Strandspaziergängen und dem Aufsammeln von Unrat – Tätigkeiten, die viel Raum für Selbstreflexion lassen.
In dieser Einsamkeit denkt Frieda über ihre Kindheit nach. Aufgewachsen an einer Tankstelle in einem kleinen Dorf, erlebt sie skurrile Episoden, wie den Besuch des Fußballspielers Günter Netzer, der seine Aktentasche dort vergisst. Doch als Adoptivkind mit Migrationshintergrund fühlt sie sich nie wirklich verwurzelt. Sie beschreibt ihre Adoption nüchtern als ein „Versehen des Lebens“ und bemerkt resigniert: „Dann habe ich gar keinen Stammbaum mehr.“
Das Warten auf Jonas, der angekündigt hat, sie bald zu besuchen, gibt Frieda einerseits Halt, andererseits vertieft es ihre melancholischen Gedanken über ihr Leben und ihre Identität.
Zitat: „Der Mund ist die Tür zum Kopf.“
Persönliche Meinung: Der Roman ist von einem melancholischen Grundton geprägt, der die Einsamkeit und Selbstsuche der Protagonistin intensiv spürbar macht. Allerdings wirken die zahlreichen Metaphern stellenweise etwas überladen – etwa „Silberrücken“ für Kühlschrank oder „es hat Flausen geregnet“. Beeindruckend ist jedoch, wie Arezu Weitholz auf den letzten Seiten die Atmosphäre und Thematik der Geschichte auf den Punkt bringt und gekonnt abrundet.
Fazit / Empfehlung: Das Buch konzentriert sich sehr stark auf Friedas Innenleben und ihren begrenzten Alltag. Dies kann trotz der poetischen Sprache auf Dauer etwas ermüden. Für mich persönlich hatten die 169 Seiten gerade noch die richtige Länge, um Friedas Melancholie «zu erleben».