Silbernes Feuer ist ein absolutes Meisterwerk und steht seinen Vorgängern in nichts nach. Und das obwohl ich zu Beginn etwas besorgt war. Denn eigentlich hatte ich keine Lust ein Buch über eine der Figuren zu lesen, die ich am meisten verabscheue. Allerdings habe ich einfach darauf vertraut, dass SJM schon ganz genau weiss, was sie tut und liess mich auf Nestas Geschichte ein. Und was für eine Geschichte das war! Es fällt mir schwer, die richtigen Worte zu finden um verständlich zu machen, was für ein unglaublicher Charakter Nesta ist. In 800 Seiten hat sie sich vom tiefen Untergrund meiner Favourites an die Spitze katapultiert und gehört nun zu meinen Lieblingsfiguren des gesamten Maas Universe. Der Grund dafür ist simpel. Nesta ist echt. Sie ist egoistisch, kalt und voller Hass auf jeden um sie herum. Doch ihr Hass verletzt niemanden so tief wie sie selbst. Bereits zu Beginn des Buches wird diese Tatsache veranschaulicht und dem Leser wird schmerzlich bewusst, dass man selbst egoistisch und kalt war und für eine schrecklich leidende Figur keinerlei Empathie aufgebracht hat. Um sich selbst von dieser Schmach zu befreien denkt man sich, dass Nesta immer wieder die Hilfe ihrer Liebsten abgelehnt hat und sie offenbar gar nicht will, dass es ihr besser geht. Doch ich musste mir die Frage stellen: Haben sie das wirklich? Ich liebe wirklich den gesamten Nachthof, aber sie alle haben Nesta allein gelassen. Sie alle dachten, dass sie stur sei, weil eine Einladung zum Essen für sie nicht ausgereicht hat, um ihr Trauma zu überwinden. Feyre, Elain und auch Cassian waren alle beleidigt, nur weil ihre gelegentlichen Aufmunterungsversuche gescheitert waren und sie alle machten Nesta deshalb noch mehr Vorwürfe. Einige Leser mögen das vielleicht anders empfinden, aber jeder der ein wenig etwas über die eisige Kälte und unerträgliche Einsamkeit weiss, die schwerwiegende Traumata auslösen können, der versteht, wie stark Nesta eigentlich ist. So wird sehr schnell klar, dass man Nesta als Leser sehr gerne 800 Seiten lang begleiten möchte, ganz egal was auch passiert. Die Story an sich hätte nicht einmal gut sein müssen, weil allein die ausserordentliche Charakterentwicklung es wert war, gelesen zu werden. Trotzdem war aber auch die Handlung durchaus spannend. Neue Herausforderungen erwarten unsere Protagonisten, tödliche Abenteuer und eine unfassbare Reise an ein anderes Ende der eigenen Seele. Wo neue Freundschaften und ehrliche Liebe den Platz der Hoffnungslosigkeit und Kälte einnehmen und dazu führen, dass mit Stolz jede Hürde bewältigt werden kann.