Ich habe Tränen gelacht bei diesem Krimi! Schon des Titels wegen wollte ich das Buch unbedingt lesen und in dem Fall hat sich die Oberflächlichkeit absolut gelohnt.
Wir begleiten Liv Steinhammer, 48, durch ihre beginnende Menopause, die sie lange nicht als solche erkennt, weil sie schlicht zu wenig über die Symptome weiss. Ich-Erzählerin Liv wendet sich gleich zu Anfang, und in Einschüben auch während der Geschichte immer wieder, direkt an uns - Frauen, die ungefähr in ihrem Alter sind und ähnliche Erfahrungen im Privat- und Berufsleben gemacht haben (teilzeit arbeitende Hausfrau und Mutter). Dabei nimmt sie einen Teil der Handlung vorweg, sodass wir einen Wissensvorsprung vor der Liv in der eigentlichen Erzählung haben. Allein das sorgt für eine gespannte Vorfreude (auch wenn das hier makaber klingt, da wir es mit einem Krimi und Mord zu tun haben…). Wissensvorsprung haben wir auch in vielen anderen Momenten, denn im Gegensatz zu Liv leiden wir (noch) nicht unter hormonell bedingter Vergesslichkeit und wissen, was ihr gerade entfallen ist und später noch für Ärger sorgen könnte.
Ebenfalls für reichlich Witz sorgen die vielen alltäglichen Szenen mit Haushalt, Mann, ihren drei pubertierenden Kindern und ihren resoluten, aber täglich ein Stückchen hilfsbedürftiger werdenden Schwiegereltern. Denn da werden sich viele Frauen wiedererkennen. Gerade der Kontrast der praktisch denkende Hausfrau und Multitaskerin im Angesicht von Problemen einer ganz neuen Grössenordnung ist erfrischend komisch.
Darüber hinaus gelang es Tine Dreyer immer wieder, mich mit unvorhergesehenen Wendungen zu überraschen. Da wir von Beginn an wissen, wer die Täterin ist, ergibt sich ein Teil der Spannung natürlich aus der Frage, ob es ihr gelingt, alles zu vertuschen. Aber es sind die überraschenden Wendungen, die mich immer wieder zum Lachen brachten und die Spannung stiegen liessen. Denn mit Liv Steinhammer wusste ich nie, was als Nächstes passieren würde.
Wem Ingrid Noll oder Ellen Berg gefallen oder wer einfach mal wieder lauthals lachen möchte, empfehle ich «Morden in der Menopause» von ganzem Herzen.