Masi Morris erster Fall erinnert mich an US-amerikanische hard-boiled Krimis: Wenn die ehemalige Polizistin und nun Privatdetektivin in Tel Aviv eine Spur aufnimmt, dann liest sich das hart, dreckig und illusionslos.
Masi war einst die beste Ermittlerin der israelischen Polizei – bis sie fallen gelassen wurde. Seit Jahren sucht sie, neben ihren Aufträgen als Privatdetektivin, nach ihrem verschollenen Vater. Doch das wird ruhen müssen als Dudi, ein Kindheitsfreund, sie bittet, seine verschwundene Frau wiederzufinden. Je mehr Masi sucht, umso finstere Gestalten und dunklere Machenschaften deckt sie auf. Schon bald geraten sie und ihre beiden Geschwister, die ebenfalls in ihrer Detektei arbeiten, ins Schussfeld. Ob sich jemals aufklären lässt, was mit Jasmin, Dudis Frau, geschah?
Das erste Drittel las sich für mich eher zäh. Die Suche nach Jasmin kommt nur langsam ins Rollen, denn erst werden wir in die Leben der verschiedenen Figuren eingeführt. Daria Shualy schreibt ihren Krimi als allwissende Erzählerin. Meist sind wir mit Masi unterwegs, aber Shualy wechselt auch die Perspektiven und wir ermitteln mit Tilly und Benji, Masis Geschwistern, weiter.
Doch je mehr ich in die Geschichte hineinfand, umso spannender wurde es. Einerseits nimmt die Ermittlung nach einer Weile rasant an Fahrt auf und Masi und ihr Team spielen all ihre Trümpfe aus (Tilly kann Menschen hervorragend Informationen entlocken und in Rollen schlüpfen; Benji ist das IT-Ass und Masi hat von Kindesbeinen an gelernt, Menschen zu lesen, genauestens zu beobachten und nüchtern zu analysieren). Hinzu kommen die persönlichen Geheimnisse und rätselhaften Vergangenheiten der Figuren, über die ich nachzugrübeln begann. Im weiteren Verlauf ergänzt Shualy die Rätseldynamik um ein Thrillerelement, denn Masi & Co. werden immer öfter bedroht. Das hinterlässt bei uns ein nervöses Unbehagen, Masi selbst jedoch steckt die meisten Aggressionen gelassen weg bzw. ist durchaus in der Lage auszuteilen.
Ruth Achlamas Übersetzung liest sich leicht fremd und auch da hat es gedauert, bis ich mich daran gewöhnt hatte. Aber es lohnte sich! Die Auflösung war am Ende gar nicht so wichtig. Denn der Weg bis dahin war spannend und unvorhersehbar, die Figuren aussergewöhnlich und, im Fall von Masi, Benji und Tilly, ungemein sympathisch und die Atmosphäre einzigartig.
Ihren Vater hat Masi am Ende noch nicht gefunden, es könnte also durchaus weitergehen für die Detektei Morris. Mich würde es freuen.