Meine Erwartungen waren zu hoch angesetzt, und wie es so oft ist, wenn man Erwartungen hat, werden sie nicht erfüllt.
Was soll ich sagen… Lukas Holliger, ausgezeichnet mit Förderpreisen für seine Theaterstücke und regelmässig präsent mit Hörspielen in verschiedenen Programmen (CH/D), konnte mich mit seinem Buch leider nicht wirklich fesseln.
Der Einstieg war äusserst verwirrend; ich hatte den Eindruck, vor mir lägen drei bis vier verschiedene Geschichten. Die Vielzahl an Namen – Polizisten, Bundespolizei, Bundesrat, Journalisten, Spione, Kriminalpolizei, Verdächtige, Opfer, und so weiter – führte zu einem Wirrwarr. Die Szenen- bzw. Perspektivenwechsel, im 1. Augenblick, waren wie aus dem Zusammenhang gerissen.
Einige Abschnitte erschienen mir zudem mit unnötigen Informationen überladen. Zum Beispiel wird zu Beginn von Kapitel 3 ausführlich beschrieben, wie Glut von seiner Wohnung bis zur Polizei-Einsatzzentrale läuft – warum? Vielleicht, um ein besseres Bild von Herrn Glut zu vermitteln und ihn kennenzulernen? Doch das hätte für mich keinen Unterschied gemacht, nachdem ich das Buch gelesen habe.
Herr Glut ist mir zwar in Erinnerung geblieben, ab und zu konnte ich mich in ihn hineinversetzen – die verfluchte Hitze und so –, doch oft waren die Dialoge irgendwie fade.
Der Schreibstil empfand ich als gut und fliessend zu lesen, mitunter gab es auch lustige Abschnitte oder Gedankengänge der Protagonisten. Auch der zeitliche Rahmen im Jahr 1983 hat mir gefallen.
Es gab auch Stellen im Buch, die ich mochte:
…“Auf Glut wirkte der verstorbene Mann unendlich alleingelassen. Als hätte das Schicksal eine Schnecke aus ihrem Haus gerissen.”
Alles in allem war dieses Buch eher eine Frage von “lege ich es weg oder lese ich es bis zum Schluss?”
Viele haben dieses Buch gefeiert. Mich hat es leider überhaupt nicht angesprochen.