Die Prämisse von “Das College” von Ruth Ware ist zunächst vielversprechend und verspricht, ein spannender und wendungsreicher Thriller zu werden. Doch leider ist das nur bedingt der Fall. Anhand wechselnder Zeitebenen wird die Geschichte des ermordeten “It-Girls” April und der Suche ihrer besten Freundin und Mitbewohnerin Hannah 10 Jahre später, wer sie wirklich umgebracht hat, nachdem der vermeintliche Mörder von April im Gefängnis verstirbt.
Hannah Jones ist die Erste in ihrer Familie, die nach Oxford geht und fühlt sich unwürdig, als sie dort ankommt. Die erste Person, die sie kennenlernt, ist ihre Mitbewohnerin April, die schöne Tochter wohlhabender Eltern, die durch eine perfekte Kombination aus Schönheit, Intelligenz, Charme und Glamour von sich reden macht. Sie ist das “It-Girl” und zieht alle in ihren Bann, sodass Hannah am ersten Abend Strip-Poker mit Leuten spielt, die sie gerade erst kennengelernt hat: Will, Emily, Hugh und Ryan, die alle zu festen Freunden werden. Das Universitätsleben ist gut, bis April am Ende des zweiten Semesters ermordet wird.
Zehn Jahre später stirbt der John Neville, der ehemalige Pförtner in Oxford und der vermeintliche Mörder von April, im Gefängnis. Währenddessen erwarten Hannah und Will erwarten ihr erstes Kind und haben die Vergangenheit hinter sich gelassen, bis ein Journalist Hannah kontaktiert und ihr mitteilt, dass neue Beweise darauf hindeuten, dass Neville unschuldig war, und plötzlich werden Hannahs alten Wunden von damals wieder aufgerissen. Sie ist wie besessen davon, die Wahrheit herauszufinden und wieder Kontakt zu ihren alten Freunden aufzunehmen, die jetzt alle etwas zu verbergen scheinen.
Dank des kurzweiligen und angenehm zu lesenden Schreibstils sowie den kurzen Kapiteln lässt sich der Thriller gut lesen, aber richtig gefesselt wurde ich von der Geschichte nicht. Nämlich Spannung kommt erst gegen Ende hin so richtig auf, davor plätschert die Handlung so vor sich hin. Dem Spannungsbogen hätte es insgesamt besser getan, wenn Hannah weniger lang am Anfang gezweifelt hätte und viel schneller sich auf die Suche nach dem wahren Mörder begeben hätte. So wahren ihre wiederkehrenden Gedanken und Sorgen auf Dauer etwas ermüdend.
Leider konnte auch die Enthüllung, wer der wirkliche Mörder von April war, mich nicht richtig überraschen und so für zusätzliche Spannung sorgen.
*Spoiler* Aprils Mord war ein “locked-room”-Mord, es konnte also niemand in das Zimmer rein oder raus gelangen, sodass dem geübten Krimileser ziemlich schnell klar sein wird, was passiert ist, besonders wenn man Aprils Liebe für böse Scherze und ihr schauspielerisches Talent berücksichtigt. Natürlich ist auch der unwahrscheinlichste, dann der wahrscheinlichste Mörder. Für mich war das Rätsel bzw. das Motiv hinter Aprils Ermordung insgesamt zu wenig überzeugend und das Ende wirkte dementsprechend zu konstruiert.
Auch hätte ich mir gewünscht, dass die akademische Welt von Oxford eine größere Rolle gespielt hätte. Oxford dient eigentlich nur als Schauplatz und als Möglichkeit für die Charaktere, sich zu treffen, und deshalb hat das Buch definitiv nicht dieses dunkle akademische Gefühl, das ich mir erhofft hatte.
Alles in allem ist “Das College” ein Thriller, der seinem Namen nicht wirklich gerecht wird. Zu wenig Spannung, zu wenig Dark Academy und wenig Überraschungen sorgen für ein eher unbefriedigendes Leseerlebnis.