Eine glasklare Stimme zeichnet Joan Baez ebenso aus, wie eine glasklar definierte Haltung was Menschenrechte, Gewalt(losigkeit) und Krieg(sgegnerschaft) betrifft. We shall overcome - dieses Lied kennen wohl viele, wird es doch nach wie vor gesungen, aktuell beispielsweise anlässlich von Friedensgebeten. Still und leise war Joan Baez nicht, aufmüpfig und mutig stellte sie sich Mächtigen in den Weg, setzte sich als Pazifistin für den Frieden, gegen den Krieg ein, aber auch gegen Rassismus und jede Art von Unterdrückung.
Dieses Buch schildert ihr Leben auf eindrückliche, sehr lebendige Weise. Vom Kind - eher schüchtern, das dann mit einer Gitarre im Arm Worte fand und einen Weg, sich auszudrücken. Nie verkaufte sie sich, ihre Meinung liess sie sich nicht ausreden. Mit vielen bekannten Musikern hatte sie Verbindung - mit Bob Dylan, dem sie zu ersten Auftritten verhalf, auch eine Liebesbeziehung. Das Buch erzählt ihr Leben, die verschiedenen Songs als Medium benutzend, ihre Aufenthalte in den verschiedensten Ländern, erzählt von ihrem Auftritt in Hanoi während einem Beschuss durch ihre eigenen Landsleute, über Stationen im reiferen Erwachsenenalter bis ca. 2017. Auch davon, wie sie mit dem Älterwerden zurechtkommen muss, wie sich die Stimme verändert. Dabei erhält man immer auch Eindrücke von der Politik und dem Weltgeschehen, was einen auch eigene Erinnerungen an diese Zeiten hervorholen lässt.
Texte wie Joan Baez sie sang - zumeist von anderen Künstlern verfasst - sind auch heute aktuell. Gibt es überhaupt in der aktuellen Musikszene Texte, welche auf eine solche Art Position beziehen?
Ich kann dieses Buch nur lebhaft empfehlen.
Und während sich im Gerichtssaal die abfälligen Bemerkungen und halblaut gemurmelten Beleidigungen häufen, mit denen man diesen halbmexikanischen Eindringling (Joan Baez) im Land des Luxus verunglimpft, legt Didion mit einem Kompliment nach: “Sie besitzt eine grosse Natürlichkeit und ist das, was man früher eine Dame nannte”.
“Jeder sagt, ich sei politisch naiv, und das bin ich. Aber den Politikern geht es nicht anders, sonst würde es nicht ständig Kriege geben, oder?”
Was bei einem solch verdienstvollen, aber eben auch atemlosen Lebenswandel zwangläufig zu kurz kommt, oder sogar auf der Strecke bleiben kann, ist Beständigkeit im privaten Bereich
… fragte sich ein Rezensent, ob das enthusiastisch mitsingende Publikum allen Ernstes glaube, allein kraft seiner Stimmbänder politische Missstände beheben, wirklich etwas Konstruktives bewirken oder Veränderungen herbeiführen zu können, sei es nun im In- oder Ausland. Er schüttelte den Kopf angesichts solch geballter Naivität und Gutgläubigkeit. Um einen Absatz später dann doch, so neidlos wie entwaffnet, unter dem Eindruck von Baez’ geradezu hypnotischer Aura einzugestehen, dass es wohl nur wenige Gestalten der Zeitgeschichte und noch viel weniger Musiker im Allgemeinen vermögen würden, so wie sie einem ganzen Saal… ihre präzise von einer besseren Welt zu vermitteln, einzig und allein kraft ihrer packenden Wiedergabe von einem halben Dutzend traditionsreicher Titel.