Nein, es ist absolut kein Krimi, sondern auf ganz andere Weise fesselnd. Gillian und ihr Mann Matthias verunglücken mit dem Auto. Matthias stirbt bei diesem Unfall, Gillian trägt schwere Gesichtsverletzungen davon. Ihr Gesicht muss chirurgisch wiederhergestellt, förmlich zusammengesetzt werden. Die Ausübung ihres Berufs als Fernsehmoderatorin ist so auf weite Sicht nicht denkbar. Ihr bisher so gesichertes, kontrollierbares Leben wird komplett auf den Kopf gestellt.
In Rückblenden wird ihre Ehe sichtbar, Konflikte, die Beziehung mit ihren Eltern und die Begegnung mit einem Maler, Hubert, mit dem sie für einen Beitrag in einer Sendung Kontakt aufgenommen hat.
Mit dem bedachten Erzählen, dem detaillierten Beschreiben der Gedankengänge erhält man einen unglaublich tiefen Einblick in das Wesen dieser beiden Personen. Die Interaktionen untereinander und auch mit anderen unterstützen das zusätzlich. Gillian und Hubert werden so präzise dargestellt, dass ich mich fast notgedrungen selbst betrachte. Die beiden sind nicht nur sympathisch gezeichnet und die Situationen werden absolut nicht idealisiert. Um so mehr sind mir die beiden Personen in gewisser Weise nah gekommen. Ich musste das Buch rasch lesen, es hat mich nicht mehr losgelassen. Eine Tragödie, still und gut erzählt, nicht aufgebauscht.
Das Leben vor dem Unfall war eine einzige Inszenierung gewesen. Ihr Job, das Fernsehstudio, die schönen Kleider, die Städtereisen, die Essen in guten Restaurants, die Besuche bei ihren Eltern … Es musste falsch gewesen sein, wenn es so leicht zu zerstören war, durch eine Unachtsamkeit, eine falsche Bewegung.