«Yellowface» ist ein Roman von Rebecca F. Kuang.
In diesem Buch handelt es sich um zwei Autorinnen in der Verlagsbranche, die unterschiedlich erfolgreich sind. Athena hat ihren grossen Durchbruch geschafft, während June eine erfolglose Autorin geblieben ist. In einer absurden (wirklich absurden, wenn ich ganz ehrlich bin, haha) Wendung der Ereignisse erstickt Athena bei einem Pfannkuchen-Esswettbewerb mit June. Nach ihrem Tod fasst June den Entschluss, eines ihrer Manuskripte zu stehlen und es als ihr eigenes auszugeben. Was nun folgt, ist ein chaotischer Abstieg in die Welt des Verlagswesens.
Bevor ich das Buch gekauft habe, weckte mich das Buchcover sofort mein Interesse und habe auch mir auch die Sternebewertungen angeschaut, die ziemlich unterschiedlich waren. Einige schreiben, dass sie mit diesem Buch nichts anfangen können. Dann habe ich mich entschieden, das Buch zu kaufen und ein eigenes Bild davon zu machen. Ich muss sagen, dass ich ein komplett anderes Bild habe. Keiner der Charaktere ist sympathisch und das ist so gewollt. Damit soll nicht gezeigt werden, dass jeder im Verlagswesen selbstsüchtig ist, sondern es soll hinterfragt werden, wie sehr die Leserin oder der Leser in die Falle des Mythos der vorbildlichen Minderheit tappt. Die Erwartung, dass Athena sympathisch sein soll, ist tief in das soziologische Phänomen verwoben, das viele asiatische Gemeinschaften als erfolgreich, klug, sympathisch, fleissig, fügsam usw. stereotypisiert, und die Vorstellung, dass Athena nicht in diese Rolle passt, hat bei einigen Lesern ein unangenehmes Gefühl hervorgerufen, ob nun bewusst oder unbewusst.
Das System wurde so gestaltet, dass June das tun konnte, was sie getan hat, und in dem Moment, in dem marginalisierte Gemeinschaften den Glanz “stehlen”, ist es in Ordnung, sich zu wehren, denn June glaubt, dass sie die wahre Minderheit und unterdrückte Person in all dem ist. Athena war es nie erlaubt, ausserhalb ihres Themenbereichs zu schreiben. Sie wurde in die Schublade gesteckt, nur eine Sache zu schreiben. Und ehrlich gesagt bin ich mir sicher, dass das öfter passiert, als wir glauben wollen. Autoren, die etwas ausserhalb ihrer “zugewiesenen” Rolle erforschen wollen, werden entweder abgelehnt oder die Vermarktung ist mies. Es geht um die Frage, wer welche Geschichte erzählen darf. War Athena besser geeignet, die Geschichte der chinesischen Arbeiter im Ersten Weltkrieg zu erzählen als June? Reicht Recherche aus, um etwas zu erzählen, das nicht der eigenen Lebenserfahrung entspricht? Das sind Dinge, über die man nachdenken sollte und mit denen wir in dieser Gemeinschaft jeden Tag konfrontiert werden.
Der Roman gibt tiefe Einblicke in das Verlagswesen, beschäftigt sich mit der Macht von Social Media, und der kulturellen Aneignung, Political Correctness, Rassismus und umgekehrten Rassismus. R. F. Kuang hat wieder einmal brillant recherchiert und ein Buch vorgelegt, das mehr als großartig ist. Eine fantastische Geschichte, die nachdenklich macht.
Ich gebe 5 von 5 Sternen⭐️!