Was für ein Leben - voll von verschenkter Liebe, unermüdlicher Aktivität und immer nach seinen Worten “im Suchen nach der Wahrheit”. man kann nur staunen ob dem starken Willen, dem klugen Verhandeln und all der Energie, die Gandhi aufgebracht hat. Ein unerschütterlicher Grundsatz dabei: die absolute Nicht-Gewalt. Man muss es lesen, um besser zu verstehen.
Diese Autobiographie hat Gandhi als Zeitschriftenartikel geschrieben, die Beschreibung seiner Experimente mit der Wahrheit. Die Kapitel sind entsprechend kurz, aber in der Regel aufeinander aufbauend oder mit Verweisen auf bereits frühere Erwähnungen. Wie man es nicht anders erwartet von dieser Person Gandhi, fehlt jeder Eigenruhm.
Seine Kindheit, die Verheiratung im Alter von dreizehn Jahren, die Jahre der Bildung etc. Eigentlich hätte Gandhi Medizin studieren wollen, hat aber selbstverständlich dem Wunsch der Eltern entsprochen und ist Jurist geworden.
Sein Lebensziel, die Suche nach der Wahrheit hat er mit grossem Eifer und Hartnäckigkeit verfolgt. Es ist mir schleierhaft, wie es möglich ist, in einem einzigen Leben so viele Aktionen anzureissen, umzusetzen und durchzusetzen.
Wie er, wenn er es als gefordert ansah, auch für längere Zeit an einen neuen Ort zog, um dort zu wirken, ist beeindruckend.
So hat er in Südafrika viel erreicht im Kampf gegen die Unterdrückung von Menschen, die nicht weisser Hautfarbe sind und in Indien gegen die Klassengesellschaft gekämpft. In seinem Ashram hat er beispielsweise eine Familie sogenannt Unberührbarer aufgenommen. Wer zu ihm kommen wollte, musste sich entsprechend ebenfalls im gleichen Raum aufhalten wie diese Familie etc.
Von seiner Familie, seiner Frau, seinen Kindern, schreibt er wenig, aber immer wertschätzend. Seine Frau war eine Unterstützung für ihn. Der Suche nach der Wahrheit und dem Kampf für die Menschen, ihre Würde und ihre Rechte, ist alles untergeordnet.
Der Sprachstil wirkt absolut authentisch - teilweise seltsam anmutend, wenn er von Kinderaufzucht schreibt. Auch in seinem Schreiben wird deutlich, dass er sich als Person, sein Leben nicht so wichtig nimmt (es freut mein Herz und nicht es freut mich). Und doch ist er enorm durchsetzungskräftig und sehr eigensinnig. Ich kann nicht behaupten, dass ich seine Haltung immer verstehen kann, beispielsweise bei der aus meiner Sicht sehr rigiden Diätvorschriften auch für seine Kinder, selbst im Krankheitsfall - wobei ihm das nicht leichtgefallen ist.
Das Buch hört auf, noch bevor sein Enkel Arun für eine Weile zu ihm kommt, aber noch mit dem Bericht, wie er das Weben eingeführt hat und so vielen Menschen zu einer gewissen Unabhängigkeit verholfen hat. Arun Gandhi schreibt über diese Zeit in “Wut ist ein Geschenk”, das Buch, das mich sehr inspiriert hat, die Autobiographie zu lesen.
Das Buch ist spannend zu lesen und lehrreich in Bezug auf historischen und gesellschaftlichen Hintergrund.