Bitte nicht vom deutschen Titel oder dem lila Cover abschrecken lassen! Ernest van der Kwast hat mit «Ilyas» (Originaltitel) einen tiefgreifenden, humorvollen Roman geschrieben über eine zerklüftete Ehe, die sinnbildlich für unsere Gesellschaft steht.
«Der perfekte Mann» beginnt damit, dass Peter, ein verträumter Museumskurator, Kee, seine Frau, mit der er seit 14 Jahren verheiratet ist, an einer Tankstelle an der A12 vergisst. Kurz darauf verliert er auch noch seinen Job. Doch so trifft er erstmals auf Dschemine, die bei ihnen den Haushalt putzt und die dringend seine Hilfe braucht. Und nach diesem ersten Erfolg steht Dschemine mit dem 20-jährigen Ilyas vor seiner Tür, der ebenfalls Peters Unterstützung benötigt.
Van der Kwast setzt sich seit 2017 ehrenamtlich für Jugendliche ein und hilft ihnen, zurechtzukommen im Leben: Behördengänge, Jobsuche, Umgang mit Geld, Abzahlen von Schulden etc. Er schaut kritisch auf unsere Gesellschaft, auf unser Schubladendenken («Die anderen» und «Wir»), die Verdrängung von Menschen an den Rand – der Stadt, der Gesellschaft, des Lebens. Sein Text rüttelt auf, stellt viele wichtige Fragen, ist dabei aber nie belehrend.
Am meisten gefallen hat mir sein Humor. Es gab so viele tragisch komische Situationen, von denen uns vermutlich allen die ein oder andere vertraut ist. Wenn Sie Tarzan das erste Mal begegnen, werden Sie sich möglicherweise ebenso verschlucken vor Lachen wie ich.
Grossartig sind auch Peters detaillierte Gedanken zur Barockmalerei, die oft auch auf seine Realität abfärben in Form von Metaphern. Ich kenne mich mit Kunst nicht aus, habe aber nebenbei so einiges gelernt.
«Der perfekte Mann» war für mich die perfekte Lektüre: anspruchsvoll, unterhaltsam, leidenschaftlich, komisch und voller Hoffnung.